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Geschlechter-Stereotypen im Netz: So wird das nichts mit der Gleichberechtigung!

Bei der ZEIT erschien gerade ein Artikel über die Geschlechter-Stereotypen im Netz: Es sind die althergebrachten. Frauen müssen schön und gut geschminkt sein, sie kochen und basteln. Männer dürfen alles sein und alles tun.

zum Artikel

Zum Einen wird in der Musikbranche eine Unterrepräsentierung von Frauen festgestellt. Der Frauenanteil liegt bei 30%. Das entspricht dem Frauenanteil in der Informatik. Kann es sein, dass dies eine psychologische Obergrenze darstellt, die der Frauenanteil nicht überschreiten darf, weil sonst unser Minderheitenstatus verloren geht? Wer steuert die Stabilität dieses anscheinend magischen Wertes? Chefs und Geldgeber (bzw. deren intuitives Gefühl für Gerechtigkeit)?

Zum Anderen sind die Geschlechterrollen traditionell aufgeteilt. "Die Gesellschaft" will es offensichtlich so. Frauen, die die Geschlechterklischees brechen, bekommen weniger Followers, dafür aber mehr bösartige Kommentare. Sie verdienen dann auch weniger Geld mit Werbung. Da stimmt die Gesellschaft ganz klar mit dem Geldbeutel ab!

Was das fiese Feedback angeht, kann ich aus eigener Erfahrung zustimmen. Immer wieder irritiert es Menschen (Männer und Frauen), dass ich als Frau mir anmaße, Vorträge über Informatik zu halten. Seit wann kennen sich Frauen denn "alle" mit Computern aus?? (Wenn ich behaupte, ich kenne mich aus, behaupte ich damit anscheinend, dass alle Frauen sich auskennen.) Wie stark die Geschlechterklischees wirken, bekommen genau diejenigen Frauen ganz fett aufs Butterbrot geschmiert, die diese Klischees nicht bedienen. Für die Gleichgerechtigung sehe ich schwarz, denn dieses System erhält sich ja selbst. Es ist als Frau sehr schwer, gegen diese Übermacht anzukommen. Wenn ich als Frau dasselbe tue wie ein Mann, wird es ganz anders wahrgenommen, meist sogar überhaupt nicht. Ständig wird mir geraten, irgendetwas zu meiner Weiterqualifizierung zu tun, was ich längst schon habe. Beispielsweise müsse ich erstmal den Doktortitel machen, bevor ich Vorlesungen halten darf. Den Doktortitel habe ich schon seit fast 20 Jahren und die Habilitation auch schon lange. Auch ein Studium wird mir immer wieder angeraten, weil Frauen "alle" mit Mitte vierzig nochmal studieren müssen. Dabei steht auf meinen Diplomzeugnissen kein Verfallsdatum drauf! Regelmäßig werden meine Arbeitsergebnisse einem Mann zugeschrieben. Da erinnern sich dann alle falsch oder gehen aufgrund der hohen Qualität davon aus, dass der Text von einem männlichen Experten stammen müsse. Beispielsweise Herr Ehrlich.

Beispiel: Ich arbeitete mal in einem Dreierteam mit zwei Männern und hatte als einzige von uns den Doktortitel. Beim Kunden konnten sie sich nicht so recht merken, welcher der beiden Männer den Doktortitel hat, und sprachen sicherheitshalber beide mit "Herr Doktor" an, während ich nur "Frau Herrmann" war. Sowas sind keine Einzelfälle.

Andrea Herrmann

 

 

 

 

 

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