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Rat an mein jüngeres Ich

Neulich las ich, man habe erfolgreiche Frauen gefragt, welchen Rat sie ihrem jüngeren Ich geben würden. Gute Idee. Was mir dazu spontan in den Sinn kam war: "Tue immer das Gegenteil von dem, was man Dir rät!"

Leider scheint es eine Art Naturgesetz zu sein, dass Leute einem immer genau dann einen Rat aufdrängen, wenn sie einem schaden wollen.

Sagt mir jemand "Diese Idee ist Mist, die solltest Du aufgeben, bevor Du Dich damit blamierst", sollte ich sie unbedingt weiterverfolgen, und zwar schnell. Diese Idee ist so gut, dass man mich davon abbringen muss. Oft genug hat mir jemand von etwas abgeraten, weil er selbst daran arbeitete oder - nachdem er meine Idee genial fand - selbst daran arbeiten wollte.

Sagt jemand "Das schaffst Du sowieso nicht", meint er eigentlich: "Ich könnte das nicht, und allein der Gedanke, dass Du das schaffen könntest, führt dazu, dass ich mich schlecht fühle."

Wenn jemand sagt: "Du bist da nicht der Typ dafür", dann weil er befürchten muss, dass ich genau die Richtige bin.

Rät mir dagegen jemand dafür, etwas zu tun, sollte ich es besser bleiben lassen. Oft genug ist das eine Falle. Manchmal hat es etwas gedauert, bis ich herausfand, worin diese Falle bestand, aber sinnvoll war fast nie irgendein Ratschlag.

Die sinnlosesten Ratschläge, die mir gerade einfallen sind folgende: Ich müsse unbedingt nochmal studieren, weil ich schon über 40 bin. Als ich daran ging, meine Doktorarbeit zusammenzuschreiben, wurde mir geraten erstmal ein Jahr zu pausieren. Kurz bevor ich mit der Habilitation fertig war, wurde mir geraten, mir diesen Stress nicht anzutun, weil man heutzutage keine Habilitation mehr brauche. Sehr beliebt waren auch großspurige Anfeuerungen dazu, etwas richtig Blödes zu tun, zum Beispiel meinem Chef oder einem Kollegen die Meinung meines Gegenübers zu sagen, oder etwas zu fordern, auf das ich gar kein Recht habe. Aber auch kriminielle Handlungen wie Verletzung von Copyright, Diebstahl von Kursunterlagen, gefälschte Abrechnungen und Steuererklärungen, Mobbing von Kollegen und dergleichen wurde mir gerne empfohlen. Ich will gar nicht wisssen, wo ich heute wäre, hätte ich alles getan, wozu mir jemand riet. Gefängnis oder Klapse? Oder einfach nur Hartz IV?

Ich hätte ja, gerade als ich jung war oder an Scheidewegen stand, gerne mal einen Mentor gehabt, der auf meiner Seite steht und mich hilfreich berät. Sowas gibt es leider nur in Märchen. Darum höre ich auf die Leute um mich herum und mache das Gegenteil.

 

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Thomas P. 01/21/2021 11:13

Liebe Andrea,
ich kann deine Meinung in diesem Post grundsätzlich nachvollziehen und ich kenne das aus eigener Erfahrung, dass Leute einem eher was abraten, weil sie denken, das wäre für sie selbst nicht das richtige oder sie es einem nicht zutrauen.
Genauso kenne ich aber den umgekehrten Fall, das Kolleginnen, mit denen ich in einem guten Vertrauensverhältnis stehe, mir raten, etwas zu tun und mich dazu ermutigen. Und am Ende wars dann eine richtig gute Gelegenheit, meine Kompetenzen zu zeigen. Ich denke, es gibt beides.
Wenn man ein eher zurückhaltender Mensch ist wie ich, vor allem in Berufssituationen, passiert es einem halt öfter, dass Andere "gut gemeinte" Ratschläge auspacken.Und machmal sind Ratschläge auch Schläge. :-D