Blog für Herrmann & Ehrlich. In diesem Blog geht es um die Arbeitsprozesse im Software Engineering, insbesondere um Requirements Engineering, Kreativität, Projekt- und Zeitmanagement und diverse weitere relevante Themen. Autorin: Andrea Herrmann
So, ich war drei Tage pilgern. Ich musste dringend mal raus! Digitale Spuren habe ich nun doch hinterlassen. Die elektronische Bezahlung schont einfach den Geldbeutel. :-)
Ich habe aber auch einige bizarre Dinge erlebt in Frankreich. Positiv muss ich hervorheben, dass selbst am piefigsten Provinzbahnhof ein funktionsfähiger Fahrkartenautomat steht, an dem man sogar bar bezahlen kann, aber auch mit deutscher Karte. Man bekommt eine Fahrkarte ausgedruckt. Die Benutzerfreundlichkeit ist etwas gewöhnungsbedürftig mit diesem Drehknopf, aber man lernt ja auch im Alter noch dazu. Ich hatte schon etwas Bammel gehabt, dass es mir wie in den Niederlanden und Italien ergehen würde, wo zumindest in den Innenstädten sämtliche Fahrkartenautomaten abgebaut waren und man nur noch mit App Tickets kaufen konnte. Da blieb mir nur entweder Schwarzfahren oder Zufußgehen. Bin ja gut zu Fuß. :-)
Schade fand ich, dass die Automaten keinerlei Zugverbindungen ausspucken. Ich musste darum improvisieren. Zum nächsten größeren Bahnhof fahren und dort dann weitersehen. Ausgangfahrpläne wie bei der Deutschen Bahn gibt es leider auch nicht. Meine Geografiekenntnisse sind nicht gut genug um zu wissen, dass wenn ich in Straßburg in den Zug Richtung Basel steige, Colmar auf dem Weg liegt. Ich muss sagen, dass ich den Service der Deutschen Bahn jetzt viel mehr zu schätzen weiß. Man erhält am Bahnhof auch nichtdigital schnell hilfreiche Informationen.
Bizarr fand ich die Fahrkartenautomaten für die Fernverbindungen. Zuerst muss man seinen halben Lebenslauf eingeben, um eine Fahrkarte zu kaufen. Und dann erhält man die Information, dass die Fahrtkarte nicht ausgedruckt wird, sondern mir per E-Mail und ans Smartphone zugeschickt wird. Wenn ich kein Smartphone habe, dann gehe ich also zum Automaten, buche dort mein Ticket, fahre dann wieder nach Hause und drucke es dort aus?? Nee, ich verstehe schon. Alle haben ja Smartphone. Darum braucht der Bahnhof Straßburg auch keinen Infoschalter mehr. Dort, wo er laut Lageplan sein sollte, stand nur noch Dekozeugs rum. Zum Glück habe ich an den Gleisen Mitarbeiter gefunden, die alles auswändig wussten.
Überhaupt habe ich viel Hilfe von Fremden gebraucht und auch gefunden. Ganz herzlichen Dank dafür an all die freundlichen Französinnen und Franzosen! Ohne sie wäre ich womöglich auf dem Jakobsweg erforen. :-/
Vielleicht fragt man sich, warum eine Pilgerin überhaupt so viel mit dem Zug herumfährt. Pilgern macht man doch zu Fuß. Ja, aber bei diesem Wetter kann man nicht draußen schlafen und die Gegend, in der ich unterwegs war, kannte nur zwei Arten von Hotels: solche mit Betriebsferien und solche, die vollständig ausgebucht waren. In Straßburg fand ich noch die Kategorie "völlig überteuerte Hotels mit Messepreisen". Aber als Pilger hat man anscheinend die Rettung gleich mitgebucht und am Ende geht alles gut aus, Halleluja!
Das nächste Mal buche ich die Hotels trotzdem schon vor der Abreise. Und suche mir die Zugverbindungen zu Hause raus. Ich improvisiere ja gerne, aber wenn man als Pilger quasi teilzeitobdachlos ist und bei Minusgraden und Dunkelheit in der Pampa herumirrt, fühlt sich das an wie eine Grenzerfahrung. Zum Glück bin ich fit. Im allerschlimmsten Fall wäre ich wohl nicht erfroren, sondern einfach die Nacht durchgewandert... Die Alternative war trotzdem schöner: Abends in einem Hotelzimmer einen Tee zu kochen und anschließend noch ein heißes Vollbad gegen den Muskelkater zu nehmen. :-)