Blog für Herrmann & Ehrlich. In diesem Blog geht es um die Arbeitsprozesse im Software Engineering, insbesondere um Requirements Engineering, Kreativität, Projekt- und Zeitmanagement und diverse weitere relevante Themen. Autorin: Andrea Herrmann
Heute fand also um 11 Uhr die erste Veranstaltung zum Digital Independence Day (DID) statt. Bei uns in Stuttgart gab es leider keine Präsenzveranstaltung. Darum nahm ich am Online-Treffen der Gesellschaft für Informatik teil, das vom Arbeitskreis Digitale Souveränität organisiert wurde, speziell von Prof. Harald Wehnes. Sehr viele weitere Organisationen unterstützen den DID, u.a. der Chaos Computer Club. Gedacht ist er als eine breite Graswurzelbewegung, das heißt es soll eine grundlegende Veränderung von unten stattfinden. Das ist auch richtig, denn jede Einzelperson, die bei Amazon einkauft, verleiht damit dieser Firma erst ihre große Marktmacht und füttert deren Datenbasis.
Wie lief also das erste Treffen? Mit 24 Teilnehmenden war das schonmal ein vielversprechendes, hoch motiviertes Grüppchen. Anwesend waren auch nur Fortgeschrittene. Manche hatten schon ihre ganze Familie (alle Generationen) auf Open Source Software migriert. Darum wurden auch keine Anfängerfragen gestellt. Mittelfristig ist wohl schon geplant, dass auch Normalbürger hier niederschwellig Hilfe durch Experten und Expertinnen finden. Dazu müssen die Normalbürger erreicht und motiviert werden. Vermutlich sind alle Veranstaltungen des DID nun erstmal nur den Insidern bekannt, die ohnehin schon für diese Themen sensibilisiert sind und einiges gemacht haben. In privaten Diskussionen merke ich immer wieder, dass Nichtinformatiker/innen sich über Digitale Souveränität noch gar keine Gedanken gemacht haben, sondern darauf vertrauen, dass ihre Digitalnutzung schon irgendwie in Ordnung sein wird, weil sie ja nur tun, was alle tun. Datenschutz scheint für sie ein Thema für paranoide Sonderlinge zu sein. So wie "der Alte" in "Quality Land" von Marc-Uwe Kling.
Wichtig fand ich bei der Veranstaltung den Hinweis darauf, dass die EU zwar sehr viel unternimmt, um den Datenschutz ihrer Bürger zu gewährleisten. Aber eben ein langsamer Koloss ist. Ab dem Moment, wo ein neuartiges Problem auftritt, bis zur Regulierung dauert es einige Jahre. In der Zwischenzeit müssen wir auf uns selbst aufpassen. Zumal ja oft die Big Tech Unternehmen sowieso erstmal tun, was sie wollen, und abwarten, ob und wann sie abgestraft werden. In der Zwischenzeit haben sie unsere Daten schon gesammelt und ihren Schabernack damit getrieben. Dessen Nutzen ist ihnen vermutlich die Millionenstrafen wert. Daten sind das neue Öl...
Einen ausführlicheren Bericht über die Veranstaltung finden Sie hier. Die nächste Online-Veranstaltung ist am Sonntag den 1. Februar ab 11 Uhr.
In diesem Sinne: Passt auf euch auf, verbreitet die Information über den DID, nehmt teil und bringt eure Freunde mit!