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Blog für Herrmann & Ehrlich. In diesem Blog geht es um die Arbeitsprozesse im Software Engineering, insbesondere um Requirements Engineering, Kreativität, Projekt- und Zeitmanagement und diverse weitere relevante Themen. Autorin: Andrea Herrmann

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Hausarbeit mit KI gelöst?

Gerade habe ich eine Hausarbeit korrigiert, bei der ich relativ sicher bin: Die Aufgaben wurden mit KI gelöst UND der Prüfling hat null Ahnung von Software-Modellierung. Leider gibt es an den Fernhochschulen immer noch Hausarbeiten als Prüfungsleistung. In Zeiten von generativer KI ist das eigentlich nicht mehr zeitgemäß. Selbst während meines Präsenzstudiums mussten wir viele Einreichungen noch in einer kurzen mündlichen Prüfung "verteidigen". Da wurden ganz viele Warum-Fragen gestellt. "Warum haben Sie das so gemacht?" Und dann konnte man zeigen, welche Alternativen man kennt und ob man deren Vor- und Nachteile ganz verstanden hat. 

Immerhin hat sich dieser Prüfling durch seine Inkompetenz selbst abgeschossen, weil ich für zwei der fünf Aufgaben null Punkte geben konnte bzw. durfte. Folgendes wurde abgegeben:

Aufgabe 1: Hier steht das Ergebnis von Aufgabe 5. Ein ER-Diagramm statt einem Aktivitätsdiagramm. Null Punkte.

Aufgabe 2: Inhaltlich fast richtig, bis auf ein paar kleinere Ungenauigkeiten und einem minimalen Fehler in der Notation. 

Aufgabe 3: Falsche Notation. Flussdiagramm statt Struktogramm. Inhaltlich auch völlig chaotisch. Null Punkte.

Aufgabe 4: Naja, so halb richtig. Die Notation des Zustandsdiagramms ist prima, aber inhaltlich geht es kreuz und quer.

Aufgabe 5: Diese Aufgabe wurde drei Mal inhaltlich fast perfekt richtig gelöst, mit drei verschiedenen Notationen. Zwei der Lösungen stehen bei Aufgabe 5 und eine bei Aufgabe 1. Keine Ahnung, ob die KI das durcheinander gebracht hat oder der Prüfling.

Die erzielten Punkte genügten nicht zum Bestehen, also alles aus meiner Sicht noch gut ausgegangen. Aber nur knapp. Viel fehlte nicht zum Bestehen! 

Leider kann man KI-Nutzung im Gegensatz zu Plagiaten aus dem Internet nicht nachweisen. Ich habe sogar schon Plagiate aus beliebten Fachbüchern gefunden. Aber meistens machen sich die Betrüger nicht mal die Mühe, ihre Textdiebstähle aus Büchern abzutippen, sondern kopieren sich ihre Hausarbeit aus dem Internet zusammen. Und dort finde ich das Original dannn. Aber wie soll ich KI nachweisen?

Grundsätzlich kann ich einen solchen Verdacht melden und herausfinden, ob ich in diesem Fall noch eine zusätzliche mündliche Prüfung zur Abklärung durchführen darf. Am besten frage ich gleich mal bei allen Fernhochschulen nach, ob das geht. Der nächste Fall kommt bestimmt! Und wenn der Prüfling nur halbwegs den Unterschied zwischen ER-Diagramm und Aktivitätsdiagramm erkennt, wird er nicht die richtige Lösung zur falschen Aufgabennummer reinkopieren. Und dann hat er bestanden!

Ich sehe es als meine Aufgabe zu verhindern, dass solche Leute, die keine Ahnung von Tuten und Blasen haben, Mitglied im Orchester werden. Also ins Berufsleben kommen. Denn deren Überlebensstrategie im Berufsleben ist ja nicht, sich das fehlende Wissen mal schnell noch anzueignen. Wären sie dazu in der Lage, hätten sie das im Studium getan. Sondern sie lügen und intrigieren, geben die Ergebnisse anderer als ihre aus, lenken den Chef dadurch ab, dass sie ihn auf Kollegen hetzen und so weiter. Ich habe das oft genug erlebt, dass Leute durch verschiedene Tricks, sich fast ohne Leistung doch eine Weile durchschummeln. Zum Beispiel: Man ist Mitglied in verschiedenen Teams und behauptet überall, man könne ausgerechnet in diesem Projekt kaum was machen, weil die anderen einen so in Beschlag nehmen. Ich hatte mal so ein "lustiges Telefonat" mit einem anderen Projektleiter, wo wir erstaunt feststellen mussten, dass gleich zwei Personen in beiden Projekten fast nichts gearbeitet haben. In meinem Projekt haben sie weniger als die Ergebnisse eines Arbeitstags pro Woche geliefert, während ich darauf wartete, dass das andere Projekt wie versprochen endlich zu Ende gehe und wir richtig durchstarten können. Ich musste wegen ihnen den Projektplan verschieben und einige ihrer Aufgaben selbst erledigen. Trotzdem hatte ich mehr Ärger als die beiden Nichtleister, weil sie ständig den Chef auf mich hetzten. Ich würde nichts liefern und meine Arbeitsergebnisse seien angeblich ihre. 

Da der Chef mit seiner eigenen Karriere und seinen eigenen Problemen beschäftigt war, prüfte er das gar nicht erst nach, sondern sagte selbst mal, dass er immer das glaube, was er zuerst höre. Großer Vorteil für die Lügner! 

Kurz und gut: Diese Leute richten im Berufsleben viel Schaden an, liefern aber nichts, weil sie das gar nicht können. Darum will ich solchen Leuten auch keinen Abschluss geben. Die sind im falschen Beruf, wenn sie nicht mal in Ruhe mit Hilfsmitteln wie Lehrbüchern die Spielbeispielchen hinbekommen, die in einer solchen Hausarbeit zu lösen sind. 

Das ist zwar schon immer passiert und wird immer wieder passieren, aber damit zerstören wir die deutsche Software-Industrie.

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