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Blog für Herrmann & Ehrlich. In diesem Blog geht es um die Arbeitsprozesse im Software Engineering, insbesondere um Requirements Engineering, Kreativität, Projekt- und Zeitmanagement und diverse weitere relevante Themen. Autorin: Andrea Herrmann

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Formulare sind die Hölle

Der VGSD sammelt gerade Vorurteile über Selbständige. Eines davon lautet, dass Selbständige nur machen, was ihnen Spaß macht. Heute war so ein Tag, der das Gegenteil beweist. Ich beteilige mich gemeinsam mit einem Schulungsanbieter an einer Ausschreibung. Schon die erste Runde hat mir zwei Stunden Arbeit beschert. Oder waren es drei? Normal wäre eine, aber der Kunde wollte so einiges wissen. Nun sind wir anscheinend in der engeren Auswahl, und jetzt gab es ein zehnseitiges Formular auszufüllen. Natürlich unter Zeitdruck. Ich habe heute fast nichts anderes gemacht außer ein paar E-Mails, ein paar Hausarbeitskorrekturen und der halbstündigen Spaß-Recherche zur Klimatheorie. Ich habe sogar mein Papierarchiv durchwühlt und ein Zertifikat eingescannt, das noch nie jemand sehen wollte. Habe in verschiedenen digitalen Archiven alles mögliche zusammengetragen, Auszüge aus Listen erstellt und so weiter. Gesamtaufwand sechs Stunden. Ich hoffe, es lohnt sich und wir bekommen den Zuschlag.

Also, wenn ich die Wahl hätte, sechs Stunden bei 39 Grad im Schatten durch die französische Prärie zu pilgern oder so ein Formular auszufüllen, würde ich lieber pilgern gehen... Morgen mache ich wieder kreativere Aufgaben für zwei meiner Buchprojekte. Und ein paar Klausuren darf ich korrigieren. Und eine erstellen. Das Übliche halt. Ich verstehe gar nicht, warum alle glauben, momentan könne ich ewiglangen Urlaub machen wegen irgendwelchen Sommerferien an der Schule oder an den Unis. Ich habe immer zu tun, was ja auch gut ist. So kommt jeden Tag auch Geld rein. OK, für das Formular werde ich nicht bezahlt. Seufz.

A propos nicht bezahlt: Viele Leute verstehen nicht, warum ich Zeitschriftenartikel schreibe und Vorträge halte, für die ich nicht bezahlt werde. Sollte ich mich nicht vollständig auf bezahlte Jobs konzentrieren? Dann hätte ich doch viel mehr Freizeit. Naja, dann hätte ich sehr viel Freizeit, weil die meisten meiner Jobs voraussetzen, dass ich eine Top-Expertin bin. Bei dieser Ausschreibung sollte ich nun auch darlegen, wieso ich glaube, eine Expertin für das Thema der Schulung zu sein. Ohne Zertifikate und meine vielen Publikationen hätte ich gar keine Chance auf diesen Auftrag. Ich bin jetzt froh über jeden einzelnen meiner Artikel. 

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