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Blog für Herrmann & Ehrlich. In diesem Blog geht es um die Arbeitsprozesse im Software Engineering, insbesondere um Requirements Engineering, Kreativität, Projekt- und Zeitmanagement und diverse weitere relevante Themen. Autorin: Andrea Herrmann

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Quanta: Das Leben als Nerd

Mit großem Interesse habe ich den Film "Quanta" bei Youtube angesehen. Die Handlung selbst ist nicht so aufregend. Manche Youtube-Kommentare gehen zu Recht in Richtung "boring". Aber der Film stellt gut das Leben als Nerd dar und die Schwierigkeiten der Arbeit als Wissenschaftler. Unter anderem die befristeten Stellen. Wobei sie hier nicht per se befristet waren, sondern es Ärger gab. Aber im echten Leben laufen Stellen oft einfach aus. Was auch immer man erfunden oder entwickelt oder programmiert hat, gehört hinterher dem Arbeitgeber. Nur fragt sich, ob er die Leute hat, die das dann alles voll verstehen und überhaupt weiterverfolgen wollen. Man selbst sitzt dann zu Hause auf dem Sofa und darf sich wieder was Neues ausdenken, wie es weitergehen soll. Der Beruf als Lehrer schwebt immer im Hintergrund als Notlösung. Der Übergang zwischen internationalem Wissenschafts-Star und Totalversager ist durchlässig und erfolgt abrupt. Und hängt vom Geldgeber und Strategien der Mächtigen ab, nicht vom eigenen Können oder Fleiß.

Aber der eingefleischte Wissenschaftler, der will lieber etwas Neues entdecken oder entwickeln, sich mit komplexen Themen beschäftigen, vieles ausprobieren und nach ganz vielen Fehlversuchen, nächtlichen Ideen und Skizzenkritzeleien den großen Wurf landen. Und damit dann unsterblich werden. Teamarbeit kommt in diesem Film nicht gut weg. "People get into my way." Obwohl das Team aus nur zwei Personen besteht, vertreten sie in allen wichtigen Punkten unterschiedliche Ansichten. 
Gut dargestellt ist das Leben als Nerd und die Kluft, die sich zwischen einem Physiker und seiner Umwelt auftut. Beispielsweise hätte klar sein müssen, dass der Jungwissenschaftler beim Kneipenquiz nicht mit dem Moderator über die Musterlösung zu diskutieren braucht. Diese basiert auf irgendeinem Schulbuch. Und natürlich ist nicht die wissenschaftlich korrekte Antwort gefragt, sondern das, was allgemein geglaubt wird. Das hätte er eigentlich in der Schule und während des Studiums lernen müssen! Öfter mal musste ich schweren Herzens die erwünschte Antwort hinschreiben, obwohl ich gut die wissenschaftliche Diskussion alternativer Theorien kannte oder selbst eine alternative Erklärung entwickelt hatte. Aber Punkte hätte ich dafür nicht bekommen. Beziehungsweise manchmal tat ich das ganz dickköpfig, um "das System" zu testen, und dann waren halt Punkte weg. 

Sehr gut diskutiert ist auch das Für und Wider der frühen Veröffentlichung vorläufiger Forschungsergebnisse: die Konkurrenz durch andere Forschungsgruppen wider dem eventuell zu frühen und gefährlichen Einsatz neuer Technologien, verfrühte und unzulässige Schlussfolgerungen und so weiter.

An ein paar Punkten dachte ich mir, dass die Dreharbeiten jemand hätte begleiten sollen, der sich mit so etwas auskennt. 

Warum sitzen die beiden Genies in ihrem Büro genau dort, wo der Elektrosmog am stärksten sein muss? Die grillen sich ja selbst. Obwohl die Geschichte zu Zeiten von Handies, Internet und Youtube spielt, sehen die technischen Geräte aus wie aus den 1980ern. So als hätte man alten Schrott aus dem Fundus der Filmstudios herausgekramt. 

Das mit dem Non-disclosure Agreement fällt ihnen auch ein bisschen spät ein! Eigentlich war doch geplant, dass sie etwas erfinden oder entdecken werden, was neu ist. Auch wenn sie etwas anderes gefunden haben als gesucht. Was Wissenschaftlern immer mal passiert.

Und an dem Mäuseexperiment habe ich auch ein paar Kritikpunkte. Insbesondere hätten sie die beiden Mäuse vor der Behandlung testen müssen. Vielleicht war die mit dem X auf dem Rücken vorher schon klüger als die andere? Abgesehen davon bezweifle ich ganz stark, dass man durch welche Strahlung auch immer jemanden klüger machen kann.

Gut fand ich dann aber wiederum zu sehen, wie der junge Mann an zu viel Wissen leidet und verrückt wird. Es ist eine alte philosophische Vermutung, dass man nur glücklich sein kann, wenn einem nicht ständig alle Fakten bewusst sind.

Und am Ende die Botschaft: Es macht doch mehr Sinn, durch Kinderkriegen unsterblich zu werden als durch wissenschaftliche Entdeckungen. Na, ich weiß nicht. Das kann man so allgemein nicht sagen. Eigentlich sollte es doch möglich sein, beides zu erreichen. Mal abgesehen davon, dass letztlich niemand so richtig unsterblich werden kann. Mag sein, dass wir jetzt noch die Namen einiger Wissenschaftler anhimmeln, aber das wird auch verbleichen. Viele einflussreiche Wissenschaftler aus Antike und Mittelalter sind längst vergessen oder nur wenigen bekannt. Beispielsweise fand ich die wissenschaftlichen Schriften von Goethe sehr spannend zu lesen. Aber von seinem Beitrag zum wissenschaftlichen Erkenntnisprozess spricht kaum noch jemand. (Ich musste den entsprechenden Teil leider aus Zeitmangel auch aus meinem Kurs über wissenschaftliches Arbeiten ausblenden, seufz.)

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