Blog für Herrmann & Ehrlich. In diesem Blog geht es um die Arbeitsprozesse im Software Engineering, insbesondere um Requirements Engineering, Kreativität, Projekt- und Zeitmanagement und diverse weitere relevante Themen. Autorin: Andrea Herrmann
So, ich bin wieder da. Mit leichtem Sonnenbrand und leichtem Hitzestich, ansonsten unversehrt. Hier ein paar Gedanken zur Reise...
-- Ich finde es immer wieder interessant, wie es sich aufs Zeitmanagement auswirkt, wenn ich ein paar Tage weg fahre. Nicht nur Urlaub, sondern auch ein Konferenzbesuch oder eine dreitägige Schulung. Ich priorisiere kurz vorher anders. Alle Aufgaben auf der Liste werden dann in drei Gruppen aufgeteilt: "Muss vorher noch erledigt werden", "Werde ich unterwegs machen" und "Kann bis danach liegen bleiben". Die erste Gruppe ist meist schon so voll, dass ich nur noch diese Aufgaben erledigen muss, die anderen schaffe ich sowieso nicht mehr. Das macht die Arbeit übersichtlicher. Normalerweise versuche ich nämlich immer, zusätzlich zu den dringenden Aufgaben noch ein paar nichtdringende zu erledigen, weil sie sonst für immer und ewig liegen bleiben, obwohl sie wichtig sind. Eigentlich ist der Sonntagabend für mich sonst immer so ein Sprintende, bis zu dem nicht nur die Kurse für die nächste Woche fertig vorbereitet sein sollen, sondern zusätzlich noch ein paar andere Aufgaben. Aber es fühlt sich anders an. Vermutlich wegen der Vorfreude. :-)
-- Wegen der Hitze war das wichtigste Thema für diese Wanderung das Wasser. Es war von vorne herein schon klar, dass ich unterwegs keines würde kaufen können. Frankreich hat große weiße Flecken, wo es gar nichts gibt, außer Bauernhöfe und Natur. Neulich hatte ich in einem Artikel gelesen, man müsse einen Liter pro Stunde rechnen. Ich rechne selbst im schlimmsten Fall mit einem halben Liter pro Stunde bzw. einem Liter für 8 Kilometer. Machte also 5 Liter für die 40 km. Das kam ziemlich gut hin. Am Ende blieb noch etwas übrig, weil ich lieber dursten wollte, als noch mehr von dieser abgestandenen warmen Brühe zu trinken. Im Winter genügt mir ein Liter auf den gesamten Tag. Vorausgesetzt, es gab ordentlich Tee zum Frühstück und weitere Getränke am Abend. Fünf Liter also. Macht 5 kg. Dazu noch das Essen für mehrere Tage, ansonsten nicht mehr viel. Wechselsocken, Mini-Reise-Zahnbürste und so weiter, das wiegt nichts im Vergleich zu 5 Liter Wasser. Anfangs ging es also los mit viel Energie aber leider auch schwerem Gepäck. Im gleichen Maß wie der Rucksack leichter wurde, ließ allerdings auch meine Energie nach, so dass ich es gar nicht genießen konnte, dass ich weniger schleppe. Ich habe es nicht mal gespürt. Gleichzeitig hatte ich zu viel Essen dabei. Bei Hitze hält sich mein Appettit in Grenzen und ich knabberte nur Kleinigkeiten zwischendurch. Im Winter brauche ich weniger Wasser, dafür mehr Kalorien. Ich brauche im Winter auch weniger Pausen, was gut ist, weil die Bänke eh gefroren sind.
-- Da ich neulich abgelästert habe über überteuerte Spezial-Wanderer-Nahrung und Abenteurer, die unterwegs unbedingt Nudeln kochen wollen... Hier meine erfahrenen Verpflegungs-Tipps je nach Wetter: Bei Hitze eignen sich nur wenige Nahrungsmittel zum Mitnehmen: Brotchips, Käsestangen, trockene Kekse wie Haferkekse oder Butterkekse, Gummibärchen, Cocktail-Tomaten, Nüsse. Falls man unbedingt ein belegtes Brot mitnehmen möchte, dann am ehesten ein Salamibrot oder Speckbrot, das aber auch nicht lange hält. Auf gar keinen Fall Blutwurst, Käse, Butter oder Schokokekse. Das gibt eine große Sauerei, und ein T-Shirt, das nach geschmolzenem Camembert riecht, kann ich nicht empfehlen! Wenn es richtig kalt ist, hält sich zwar alles ganz gut, aber wasserhaltiges Obst geht gar nicht, weil es extrem kalt und unangenehm wird für Zähne und Magen. Ich habe mir mal auf einer längeren Wanderung mit dem eisigen Trinkwasser den Magen so verdorben, dass er zwei Wochen brauchte, um sich zu erholen. Bei großer Kälte eignen sich aber gut Lebkuchen (mein Favorit, weil die Schokoglasur gefroren knackig wird), alle Arten von Keksen, Brotchips und Käsestangen, Nüsse, Müsliriegel, Banane, Trockenfrüchte. Bei einer Herbst- oder Frühlingswanderung bei Zimmertemperatur kann man fast alles mitnehmen, auch belegte Brote mit Blutwurst oder Butter mit Käse. Schokolade geht ist dann auch super als Energieriegel und zur Motivation.
-- Die Fahrkarte für den Grenzübertritt zu besorgen ist nach wie vor schwierig. Am Automaten kann ich zwar Fahrkarten für den deutschen oder französischen Nahverkehr kaufen, sogar anonym mit Bargeld. Aber nicht für den Grenzübertritt. Während meiner Reise grübelte ich noch, warum sie nicht das Deutschlandticket auch für den Grenzübertritt gelten lassen, einfach bis zum ersten französischen Bahnhof nach der Grenze, und dann kauft man dort das Ticket für die Weiterreise. So aber muss ich an den Schalter gehen und dort die Fahrkarte kaufen. Nun komme ich nach Hause und was finde ich in meiner Mailbox?? Zahlreiche E-Mails von Deutscher Bahn und SNCF mit freundlichem Dank für den Kauf meiner Fahrkarte. Ich grüble noch, woher sie überhaupt meine E-Mail-Adresse haben. Ist es, weil ich meine Bahncard eingesetzt habe, oder weil ich mit Karte bezahlt habe? Und warum hat nun die SNCF auch meine E-Mail-Adresse? Wie lange bewahren sie die auf? Steht hier nicht. Hier steht nur, dass alles in bester Ordnung sei und sie sich an die Datenschutzgesetze halten. Habe mal auf den unsichtbaren Link geklickt. Ich finde jedenfalls, dass blaue Schrift auf schwarzem Grund aussieht wie ein absichtlich unsichtbar gemachter Link. Es gibt da ein Formular, wo ich meine Rechte ausüben kann, aber nur eines auf ein Mal, hihi. Dafür muss ich meinen Namen angeben, den sie schon haben, weil die DB ihn weitergegeben hat. Und mein Geburtsdatum. Haben sie das auch? Woher? Von meiner Bahncard? Muss ich ihnen nun mein Geburtsdatum nennen, um nachzufragen, ob sie mein Geburtsdatum kennen? Machen sie diesen Zauber mit der Datenerfassung und der Datenübergabe absichtlich, damit man nicht per Zug unbekannt über die Grenze pendeln kann? OK, Leute, die Fahrkartenkontrolle hat gezeigt: Sie ist wieder zurückgefahren und nicht geblieben... Hätten sie meine Daten auch, wenn ich am Schalter bar bezahlt hätte? Es macht nun wenig Sinn, meine Daten löschen zu wollen, wenn ich sowieso bald wieder getrackt über die Grenze fahre zum Weiterpilgern. Aber eine Datenauskunft fände ich schon mal spannend! Ich finde aber das Formular seltsam. Ich will gerne wissen, welche Daten sie über mich haben. Jetzt soll ich aber angeben, in welchem Bundesland und welche Art von Daten. Können die mir nicht einfach schicken, was sie haben? Ich meine, ich frage "Was für Daten habt ihr über mich?" und sie fragen zurück: "Welche könnten wir denn haben? Rate mal!" Ich schlafe nochmal drüber...