Overblog
Folge diesem Blog Administration + Create my blog

Impressionen aus Dortmund

Die ersten Tage in einer fremden Stadt sind immer schwierig. Als Tourist hat man seinen Reiseleiter, die Hotelrezeption oder einen Übersichtszettel mit dem Lebenswichtigen. Als Neubürger ist man die ersten Tage nur am Suchen. U.a. trage ich einige frankierte Briefe in meiner Tasche und suche nach einem Briefkasten. In Stuttgart gibt es an jeder S-Bahn-Haltestelle einen Briefkasten, hier noch nicht mal am Hauptbahnhof. So weit ich das überblicke. Gestern habe ich online nach Adressen von Postämtern recherchiert. Eines liegt auf meinem Arbeitsweg. Darum irrte ich gestern Abend mit dem Stadtplan in der Hand durch die Innenstadt, auf der Suche nach Hausnummern. Den Straßennamen musste ich erraten, war nicht angeschrieben. Schließlich fand ich das Haus und das gelbe Schild. Es handelt sich wohl um einen Paketshop in einem Einkaufszentrum. Das war geschlossen, der Briefkasten, falls es einen gibt, befindet sich im Inneren und ist nur während der Öffnungszeiten zugänglich. Da ich heute früh zur Arbeit ging und noch ein Webinar bis 21 Uhr halte, kann ich das heute nicht weiterverfolgen. Morgen mache ich früher Feierabend und versuche also am Mittwochabend, die Briefe vom Sonntag zu verschicken.
Genauso habe ich noch nicht heraus, wo ich Lebensmittel kaufen kann. In Innenstädten sind die Lebensgeschäfte verborgener platziert als die Restaurants und Dönerbuden. Ich weiß, warum ich aus Stuttgart Briefmarken und Lebensmittel für die ersten Tage mitgenommen habe. Ich kenne das Problem schon.

Bei uns im Süden gibt jedes Dorf hübsche Ansichtskarten seiner schönsten Gebäude, Plätze und Straßen heraus. Hier in Dortmund zeigen die Ansichtskarten entweder Fördertürme oder Männer mit schwarzen Gesichtern oder Männer mit schwarzen Gesichter vor einem Förderturm.
All die offenen Fragen kläre ich spätestens am Samstag. Da stehen Erkundungsspaziergänge und Einkäufe auf dem Plan. Bis dahin lebe ich von Fast Food. Zum Kochen fehlt mir sowieso die Zeit.
Immerhin bei der Arbeit habe ich alles gefunden dank Einführung und zahlreichen hilfsbereiten Kolleg/innen. Auch mal wieder schön, Teil eines Teams zu sein. Die Wege zur Kaffeeküche und zum Materiallager sind natürlich weiter als im Home Office.
Über die Student/innen kann ich noch nicht viel sagen. Wir fangen erstmal harmlos an mit leichten Fingerübungen.

Andrea Herrmann, seit 1.10. Vertretungsprofessorin an der FH Dortmund

 

 

Kommentare anzeigen

Rezension: Stark in stürmischen Zeiten (Anselm Grün, Bodo Janssen)

Ein Körnchen Wahrheit steckt in jedem Buch... Ja, es ist hilfreich und wichtig, sich selbst zu verstehen. Nur dann kann man Mitarbeiter/innen führen. Und natürlich stört uns an anderen genau unsere eigenen Fehler. So weit stimme ich mit den Autoren überein.

Aber der Rest des Buchs wiederholt die allseits bekannten Esoterik-Coaching-Küchenpsychologie-Sprüche, die angeblich immer gelten, insbesondere dann, wenn anderswo im Buch das Gegenteil behauptet wird. Mein Hauptproblem mit solchen Büchern besteht darin, dass ich schon mit unzähligen Menschen zusammenarbeiten musste, die offensichtlich zu viel von diesen Selbstmanagement-Führungskräfte-Gehirnwäsche-Kursen besucht hatten. Mit ihnen war nicht auszukommen. Sie hörten gar nicht richtig zu, sondern warfen aufs Stichwort sofort ihre auswendig gelernten Lebensweisheiten auf den Tisch, mit denen anscheinend das Thema genügend besprochen war. Dabei musste der Spruch nicht unbedingt zur Situation passen.

Besonders schlimm finde ich das, was in diesem Buch über die Fragen behauptet wird, die Mitarbeiter stellen. In Wirklichkeit interessiert angeblich den Mitarbeiter die Antwort auf seine eigene Frage nämlich gar nicht, sondern er verfolgt damit einen ganz anderen Plan. Insbesondere wälzt der Mitarbeiter mit seiner Frage Verantwortung auf den Vorgesetzten, was man ihm nicht erlauben darf, steht da. Genau das habe ich mit mehreren Vorgesetzten erlebt. Meine Fragen wurden grundsätzlich nicht beantwortet, sondern ich wurde nach deren strategischer Bedeutung gefragt, sollte gegen meinen Willen therapiert werden oder man erklärte mir, was für ein schlechtes Licht meine Frage auf mich werfe. Dabei wollte ich oft nur ein "Ja" oder "Nein" oder eine Zahl! Da blieb bei mir unklar, ob der Chef meine Frage wegen Inkompetenz nicht beantworten kann. Auch warum er mir vorwirft, meine Frage stehle seine Zeit, und er mir dann einen einstündigen Esoterik-Vortrag hält, um mir hinterher erneut vorzuwerfen, ich habe seine Zeit gestohlen. Klar war nur, dass ich keine Fragen mehr stellen sollte und am besten den Chef ganz in Ruhe lasse.

Also, wenn ich Leute führe, dann ist es für mich selbstverständlich und erwarte ich unbedingt, dass der neue Mitarbeiter mit seinen Fragen zu mir kommt oder zu einem Kollegen. Genau dadurch übernimmt er Verantwortung: indem er möglichst effizient die Informationen zusammenträgt, die er für seine Arbeit benötigt. Schlechte Mitarbeiter sitzen schmollend in ihrem Büro und ärgern sich, dass ihnen irgendetwas fehlt und man ihnen nicht die Arbeit als vorgefertigen Bausatz liefert. Schlechte Mitarbeiter versuchen durch Googeln herauszufinden, was ich mit einer Arbeitsaufgabe gemeint habe. Schlechte Mitarbeiter wagen sich nicht zu fragen, aus Furcht, inkompetent zu wirken, und verplempern damit Zeit und Geld. Ich will von meinen Mitarbeitern gefragt werden, damit ich weiß, woran sie arbeiten, was unklar ist und wie ich sie unterstützen kann. Das funktioniert auch sehr gut. Anfangs hat er viele Fragen, mit der Zeit immer weniger. Ich weiß gar nicht, was diese ständigen Metadiskussionen sollen. Solche Bücher und Kurse erwecken den Eindruck als ginge es bei der Arbeit niemals um Inhalte und Ergebnisse, sondern nur um die Kontrolle von zwischenmenschlichen Beziehungen.

Ein gutes Arbeitsklima finde ich auch sehr wichtig. Aber das wächst fast von selbst, wenn man gut zusammenarbeitet. Wenn die Arbeit fluscht, entstehen Flow und Harmonie. Wenn schlecht geplant wird, Informationen nicht gut fließen, Arbeit doppelt gemacht wird, der Arbeitsablauf stockt, dann entstehen Stress, Streit und Konflikte. Aber diese handlungsorientierte Ansicht ist leider nicht mehrheitsfähig.

Womit ich als Ingenieurin und Wissenschaftlerin niemals überein stimmen werde ist die Behauptung, es gäbe keine objektiven, realen Probleme. Natürlich gibt es die! Wenn ein Abgabetermin nicht eingehalten werden kann, das Budget zu knapp ist, ein Lieferant nicht liefert, sind das ganz objektive, real existiende Probleme, die weitere nach sich ziehen. Aber auch, wenn jemand mit Worten absichtlich einen Kollegen verletzt oder ein Teammitglied dem Burnout entgegen trudelt, sind das echte Probleme. Wir haben als verantwortlicher Mitarbeiter nicht die Wahl, ob wir ein Problem an uns heranlassen oder nicht. Wir müssen uns kümmern! Das Problem entsteht nicht nur in der subjektiven Bewertung. Das ist zynisch und genau mit diesem Trick wälzt die geschulte Führungskraft und auch der geschulte Kollege die Verantwortung für alles ab im Stil von: "Den Kollegen haben meine Worte verletzt? Na, dann soll er halt eine Therapie machen!" Das Leugnen von Realitäten ist ganz sicher keine gute Idee für die Gestaltung von zwischenmenschlichen Beziehungen, wenn man sich nicht mal auf Fakten einigen kann wie "Ich bin verletzt" oder "Das Budget reicht nicht". Ich will da als lösungsorientierter Mensch kein zynisches Geschwafel über Subjektivität und Perfektionismus hören. Ich will Lösungen!

Abgesehen davon wenden ja die meisten, die solcherart geschult sind, die wenigen guten Tipps wie "aufmerksames Zuhören", "Fairness", "sich in den anderen hinein versetzen" oder "auf die eigenen Worte achten" gar nicht an. Sie verwenden diese ganzen Ratschläge, um andere damit zu schlagen. Indem sie den Gesprächspartner beobachten und kritisieren, übernehmen sie die Kontrolle über den Dialog und treiben das Gegenüber in die Defensive. Tja, dann sind sie wahrhaft "stark in stürmischen Zeiten", wenn sie den Sturm selbst auslösen und lenken. Mit der Zerstörung zwischenmenschlicher Beziehungen kann man sehr wirkungsvoll von echten Problemen ablenken.

Kurz und gut: Ich mag diesen Kram nicht! Ich hatte gehofft, in diesem Buch über den christlich motivierten Upstalsboom-Weg etwas anderes zu hören als sonst. Diese Hoffnung wurde enttäuscht. Ich bin auch traurig, dass ein Mönch seinen Namen für so ein Buch hergibt, in dem die Taschenspielertricks des Bösen gelehrt werden.

Andrea Herrmann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommentare anzeigen

Rezension: Jäger, Hirten, Kritiker: Eine Utopie für die digitale Gesellschaft (Richard David Precht)

Richard D. Precht diagnostiziert: "Die Digitalisierung ist nicht einfach eine weitere Effizienzsteigerung unseres Wirtschaftens auf einem bekannten Pfad. Es ist die größte Veränderung unseres Wirtschaftens seit 250 Jahren! Es ist ein Lebens- und Wertewandel in welthistorischer Dimension. Und es ist, ungebremst, der größte flächendeckende und kulturübergreifende Anschlag auf die Freiheit des Individuums in der Moderne. Auf dem Spiel steht die Zukunft unserer Privatsphäre."

Globale Internetkonzerne sind mächtiger als Politiker, je mehr die Arbeit automatisiert wird umso weniger gibt es für die Menschen zu tun. Grundsätzlich stimme ich mit Precht überein, dass ein Systemwandel passieren muss und, wie er schreibt "Das meiste wird in den nächsten zehn Jahren entschieden werden müssen". Wir leben in entscheidenden Zeiten!

Mich ermüdete jedoch sein ewiges Gejammer genauso wie das Herumspringen zwischen mehreren Themen wie Wirtschaft, Arbeitslosigkeit, Datenschutz, Islamismus, Maschinenethik, Kulturverfall und Umweltschutz. Er klagt sie alle an: Unternehmer und Regierungen, Manager und Wissenschaftler, Digital Natives und den ganzen Rest. Angeblich beten wir alle die Technik und Kennzahlen an. Die Optimierung des Menschen macht ihn immer maschinenähnlicher und inhumaner. Dabei übersieht Precht ganz, dass die Digitalisierung nicht nur zur Zentralisierung führt, sondern auch zu einer Demokratisierung.

Ganz sicher hat Precht recht damit, dass das deutsche Bruttosozialprodukt nicht (weiter) wachsen muss, damit die Menschen glücklicher werden. Wächst das Bruttosozialprodukt trotzdem, kann man damit die Sozialsysteme stärken. Je mehr die Arbeit automatisiert wird, umso weniger Mitarbeiter/innen werden gebraucht. Precht plädiert für das bedingungslose Grundeinkommen, für eine "Nichtarbeiterbewegung" und das Ende der Leistungsgesellschaft, in der sich Menschen über ihre Arbeit definieren. Ökonomie und Technik sollen das Leben lebenswerter machen.

Also, ich persönlich bin ja schon lange für "Teilzeit für alle". Aber um dort hinzukommen, brauchen wir tatsächlich einen Systemwechsel!

Simon Ehrlich

Kommentare anzeigen

AKAD-Forum 2019: Bericht

Diesen Mittwoch war ich mit zwei Vorträgen auf dem AKAD-Forum. Darum konnte ich selbst nur an zwei weiteren Vorträgen als Zuhörerin teilnehmen. Leitthema der Veranstaltung war die Künstliche Intelligenz.

Aus der Podiumsdiskussionam Vormittag nahm ich mit, dass 25% aller wissenschaftlichen Veröffentlichungen über Künstliche Intelligenz aus Deutschland stammen. Bei den Start-ups in diesem Bereich sieht es deutlich, deutlich dürftiger aus! Irgendwie kriegen wir unsere Technologie nicht auf die Straße!

Prof. Schmatzer verglich in seinem Vortrag "Ist die KI auf dem Weg, ein besserer Mensch zu werden?" das menschliche Denken mit dem eines Computers. Definitiv finden im Gehirn komplexe, nur mehr oder weniger verstandene Prozesse statt. "Fehlertoleranz ist erfolgreicher als Exaktheit" kann man als Schlussfolgerung aus der Evolution gelten lassen. Von Computern erwarte ich aber doch etwas mehr Exaktheit und Determinismus als vom Menschen. Der Computer hat eine Verarbeitungsgeschwindigkeit von 10^9 Bits pro Sekunde, das menschliche Gehirn von 10^14 Bits pro Sekunde. Bisher war mein Eindruck gewesen, der Computer könne schneller rechnen als ich. Jedoch verbraucht mein Gehirn auch Ressourcen fürs Atmen, Sitzen, Gefühle und kreative Abschweifungen. Der Computer arbeitet fokussierter.

Ganz praktisch zeigte uns Frau Todorovic von der oncampus GmbH in ihrer Präsentation "Chatbots - nächstes User Experience-Level im Support von Bildungsangeboten?", wie KI im Bildungsbereich nützlich eingesetzt werden kann. Hilfe-Heidi ist ein Chatbot, der Interessent/innen über Studienangebote informiert. Seit Ende 2017 hat der Chatbot 1100 Anfragen beantwortet und damit die Telefonhotline überflüssig gemacht. Hilfe-Heidi wirkt menschlich, indem sie sich für das Tippen zwei Sekunden Zeit nimmt, außer Informationen auch Ermutigung spendet, Smileys und umgangssprachliche Formulierungen verwendet: "Cool, dass du da bist. :-)" Die Benutzer/innen danken es ihr mit Höflichkeitsformeln und Herzchen. Wo Heidi nicht weiter weiß, leitet sie an einen Professor weiter oder erstellt ein Service-Ticket. Damit wird eine Automatisierungsquote von 43% erreicht. Interessant ist, dass die Benutzer/innen oft genau auf der Webseite, wo eine bestimmte Information steht, den Chat aufrufen und diese Informationen stattdessen im Chat abfragen.

Gefreut hat mich der insgesamt hohe Frauenanteil bei dieser Veranstaltung. Erreicht wurde dieser weniger durch Informatikerinnen, sondern dank des interdisziplinären Charakters der Veranstaltung dank Vertreterinnen aus Politik, Verwaltung und Sozialwissenschaften. Das ist prima, dass wir miteinander sprechen, denn KI geht uns alle an!

 

 

 

 

Kommentare anzeigen

IREB Advanced Level Requirements Management auf Englisch veröffentlicht

Das IREB Advanced Level Requirements Management ist nun auch auf Englisch veröffentlicht: Lehrplan, Handbuch und Probeprüfung. Zur Erinnerung: An dem Lehrplan und dem Handbuch habe ich mitgearbeitet.

Andrea Herrmann

 

 

Kommentare anzeigen

Desinformation durch Informationsflut, Googelisierung des Wissens und Scheinwelten

Noch nie in der Menschheitsgeschichte war es so leicht zu wissen, was auf anderen Kontintenten geschieht, was die Menschen dort frühstücken, wo gerade Bürgerkrieg oder Dürre herrscht, wer wen geheiratet hat oder wie die Formeln der Relativitätstheorie lauten. Viele Informationen werden digitalisiert und ins Internet gestellt, so dass jeder sie recherchieren kann. Jeder?

Leider werden wir dermaßen mit Informationen überflutet, dass wir inmitten der Möglichkeiten den Wald vor Bäumen nicht sehen. Diejenigen, die uns etwas verkaufen wollen - ob Waren oder Meinungen - die schreien am lautesten, buntesten, häufigsten. Denn sie verfügen über das größte Budget. Wir sind so beschäftigt mit den uns aufgedrängten Informationen, dass kaum Zeit bleibt, um Fragen zu stellen und zu recherchieren.

Was mache ich, um mit der Informationsflut zurecht zu kommen?

a) Pull ist wichtiger als Push: Push bedeutet, dass andere mir Informationen zusenden, die ich ihrer Meinung nach lesen sollte. Laut DSGVO bin ich selbst schuld an jedem einzelnen Newsletter, den ich erhalte. Ich kann den auch abbestellen, und das tue ich auch in vielen Fällen. Ich beobachte genau, in welchem Newsletter ich regelmäßig einen Artikel finde, den ich ganz lese, und wenn das seltener als 50 % ist, wird abbestellt. Mir muss immer genügend Zeit bleiben, um selbst nach dem Pull-Prinzip Informationen zu recherchieren zu Fragen, die mich aktiv beschäftigen. Meine Medien habe ich sorgfältig ausgewählt. Im Radio höre ich einen Sender, der den ganzen Tag abwechselnd Nachrichten oder Dokumentationen sendet. So bekomme ich einen groben Überblick über das Aktuelle und Allgemeine. Die wenigen Newsletter und Zeitschriften, die ich regelmäßig lese, passen exakt zu meinen wichtigsten Interessensgebieten. Bei jedem einzelnen Medium kann ich genau sagen, was es mir nutzt. Die Menge an Push-Informationen muss unbedingt minimiert bleiben!

b) Suchmaschinen sind nicht alles! Als ich noch jung war, gab es gar keine Suchmaschinen. Das waren definitiv schlechtere Zeiten als heute. Wenn ich schnell eine Formel recherchieren will oder eine halb gehörte Information vertiefen will, werfe ich die Suchmaschine an und habe innerhalb weniger Minuten meine Antwort. Auch für konkrete Fragen wie z.B. "Was für Schuhe haben eigentlich die Kelten getragen?" findet man im Internet schneller eine Antwort als in einer Bücherei. Trotzdem darf das nicht unsere einzige Informationsquelle sein. So gut die Suchmaschinen auch sind, können sie uns nur einen kleinen Ausschnitt alles Wissens zeigen, und zwar von dem, was sich im Internet befindet. Allerdings sind die Relevanzkriterien der Suchmaschinen nicht unbedingt meine eigenen. Google scholar war mal eine gute Alternative, weil sie sich auf wissenschaftlich relevante Quellen fokussierte, aber das hat leider nachgelassen. Dafür gibt es nun Researchgate. Und trotzdem dürfen wir nicht vergessen, wie man sich Informationen offline, IRL (in real life) besorgt, aus erster Hand, von Experten, Augenzeugen oder anderen seriösen Quellen. Im Internet stehen auch manchmal Zeitungsenten! 

c) Erschreckend viel Sendezeit wird auf Scheinwelten verschwendet: Deutschland sucht den Superstar, das Supermodel, den Millionär, den Dschungelkönig. Netflixserien zu sehen ist ein beliebter Zeitvertreib. Schön und gut, aber in einer Welt, wo wir echte Geschichten, echtes Leben, echtes Wissen sammeln können, warum treiben wir uns dann gedanklich in Fernsehstudios, Dschungelcamps und dystopischen Brotspielen (Tribute von Panem) herum? OK, ich mache das auch manchmal. Aber viel spannender, herzzerreißender und relevanter sind das Leben, die Welt, echte Schicksale, Tatsachen und vor allem alles das, was wir verändern können.

Andrea Herrmann

 

 

 

 

 

 

 

Kommentare anzeigen

Was ist menschliche Intelligenz?

Meine Beschäftigung mit der Künstlichen Intelligenz bringt mich immer wieder auf die Frage: "Was ist eigentlich menschliche Intelligenz?" Es gibt genügend Forschung darüber, dass Menschen - insbesondere unter Zeitdruck oder Routine - gar nicht sonderlich intelligent entscheiden. Von der wahrnehmungsverzerrenden Wirkung von Gefühlen ganz zu schweigen. Perfekte Objektivität jedenfalls unterstellt keiner dem Menschen.

Die großen Stärken der menschlichen Intelligenz sind immer noch:
- Verstehen von Folgen von Handlungen. Gerade auch das emotionale Begreifen.
- Die Fähigkeit, sich an geänderte Randbedingungen anzupassen und auch dort noch angemessen zu agieren.

Allerdings üben nicht wirklich alle Menschen diese Fähigkeiten gleichermaßen aus. Neulich habe ich z.B. über das Thema Cybermobbing recherchiert und bin dabei auf das oft beobachtete Phänomen gestoßen, dass Menschen beim Cybermobbing mehr noch als beim Mobbing im "real life" Schwierigkeiten haben, die Folgen ihres Handelns ganz zu ermessen. Natürlich wird jeder Mobber, wenn er vor Gericht gezerrt wird, behaupten, das sei alles keine Absicht gewesen und er sei sich der Schwere seiner Tat nicht bewusst gewesen. Und natürlich gibt es auch Mobber, die sich krank lachen vor Freude darüber, jemandem weh getan zu haben. So gesehen ist diese in Interview geäußerte Nichtwahrnehmung der Gefühle des Opfers natürlich meist eine lahme Ausrede. Aber tendenziell ist sicher etwas dran. Sonst würden nicht Menschen, die sich im Real Life einigermaßen zivisiliert verhalten, im Schatten der scheinbaren Anonymität plötzlich all die Dinge sagen, die sie sonst aus Feigheit und Angst vor Strafe für sich behalten. Über den Selbstmord ihres Opfers sind die meisten Täter vermutlich dann trotzdem erstaunt. Genauso wie ein Roboter sich wundern würde, wenn ein Mensch aufgrund seiner Worte aus dem Fenster springt.

Auch mit der Anpassung an geänderte Tatsachen tun sich Menschen extrem schwer. Darum ist ja "Change Management" so eine gefragte Wissenschaft und Beratungsdienstleistung. Weil Menschen sich mit Händen und Füßen sogar gegen vorteilhafte Veränderungen sträuben. Und oft wird bereits im Kleinen der Status Quo dadurch erhalten, dass Tatsachen, die nicht zum aktuellen Weltbild passen, aus der Wahrnehmung ausgefiltert werden. Das Gehirn schützt sich also aktiv vor allem, was Veränderungen erzwingen würde, und wenn es nur eine Meinungsänderung ist.

Um sich intelligent zu verhalten, benötigt auch ein Mensch eine intensive Schulung. Diejenigen, von deren Objektivität vieles abhängt, erhalten solche Trainings. Ich sehe große Ähnlichkeiten beim Mindset, das Wissenschaftler, Journalisten und Gutachter mitbringen müssen: Objektivität, die Konzentration auf die Fakten, Beurteilung der Zuverlässigkeit von Quellen, Auflösenkönnen von Widersprüchen in der Datenlage. Das lässt sich lernen, verlangt aber viel Disziplin.

Simon Ehrlich

Kommentare anzeigen

Selbstständigkeit und Scheinselbständigkeit

Die Regierung möchte Selbständige vor der Altersarmut schützen bzw. die Sozialkassen vor denjenigen Selbständigen, die ihre hohen Honorare lieber verprassen als sie in eine oder mehrere private Rentenversicherungen anzulegen.

Glücklicherweise ließen meine freiberuflichen Tätigkeiten bzw. das Gesamtportfolio nie Zweifel an meiner Selbständigkeit aufkommen. Die Kombination von einzeln beauftragten Schulungen und kurzen Beratungsprojekten, dem Risiko von Kursausfällen, zahlreichen verschiedenen Kunden und eigeninvestierten Neuentwicklungen (z.B. meine Online-Akademie) war typisch unternehmerisch. Für Berater-Kollegen, die über Monate oder sogar Jahre hinweg fast Vollzeit in einem IT-Projekt unterstützen, sieht das anders aus.

Das Statusfeststellungsverfahren wurde leider massiv verschärft. Von ihrem Schreibtisch aus soll eine Sachbearbeiterin bisher selbständige Tätigkeiten in ihrer tatsächlichen Ausführung bewerten und möglichst ungnädig zu Anstellungsverhältnissen umetikettieren. Rentenversicherungsbeiträge können dann bis in die Steinzeit rückwirkend noch vom Auftraggeber bzw. Arbeitnehmer eingefordert werden. Zahlreiche als ungerecht empfundene Urteile wurden gefällt, Selbständige zwangsangestellt. Manche Firma hat daraus den Schluss gezogen, gar keine Freiberufler mehr einzusetzen, Freiberufler wurden in die Zeitarbeit abgedrängt.

Die gut gemeinte Schutzaktion der Regierung geht voll nach hinten los, schafft Frust, ein Gefühl von Ungerechtigkeit und hoffentlich erfolgreichen Widerspruch.

Auf der folgenden Seite lesen Sie zahlreiche Kommentare zu dem Problem:

https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2019/gehalt/scheinselbststaendigkeit?utm_source=pocket-newtab

Im folgenden Artikel im IT-Freelancer werden zahlreiche Verbesserungsvorschläge gemacht:

https://www.it-freelancer-magazin.de/index.php/2019/08/12/was-denkt-die-freelancer-community-ueber-die-initiative-des-arbeitsministeriums-zum-statusfeststellungsverfahren/

 

 

Kommentare anzeigen

Vertretungsprofessur an der FH Dortmund

Ab diesem Wintersemester werde ich an der FH Dortmund eine Vertretungsprofessur für Softwaretechnik bekleiden. Ich freue mich schon. Im Wintersemester halte ich dort "Softwaretechnik 1" (Requirements Engineering und UML) und "Einführung in die Programmierung".

Andrea Herrmann

Kommentare anzeigen

AKAD-Forum am 18.09.2019

Am 18.09. findet in Stuttgart das AKAD-Forum statt mit dem Thema "Digitale Bildung mit und gegen Künstliche Intelligenz". Ich werde dort zwei Vorträge halten:

- über meine Stellenanzeigenstudie zur Arbeit im Requirements Engineering,

- über die ethischen Aspekte von Künstlicher Intelligenz und welche Folgen dies für das Berufsleben von Informatiker haben wird.

Ich arbeite schon seit 2009 für die AKAD University als freiberufliche Dozentin, Lehrbuchautorin und Betreuerin von Abschlussarbeiten, und freue mich, dieses Jahr zum ersten Mal beim AKAD-Forum dabei zu sein.

Andrea Herrmann

 

Kommentare anzeigen

<< < 10 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 > >>