Blog für Herrmann & Ehrlich. In diesem Blog geht es um die Arbeitsprozesse im Software Engineering, insbesondere um Requirements Engineering, Kreativität, Projekt- und Zeitmanagement und diverse weitere relevante Themen. Autorin: Andrea Herrmann
Hier laufen eifrig die Vorbereitungen für die REFSQ-Konferenz. Vorhin habe ich mir den Innenstadtplan und die Straßenbahnlinien von Posen / Poznan angesehen und eingeprägt. Gerade sehe ich mir mein Profil auf https://conf.researchr.org/ an. Feine Sache. Die CAISE-Konferenz 2022 fehlt, ansonsten ist die Liste vollständig ab 2021.
Leider ist es ja so: Je höher eine Frau qualifiziert ist, umso größer der Zweifel bei Bewerbungen und anderen Gelegenheiten, dass sie alles in ihrem Lebenslauf tatsächlich gemacht hat. Wie soll man das dann nachweisen? ich habe sogar schon Diskussionen über die Fächer geführt, die in meinem Zeugnis stehen, ob ich die wirklich besucht und bestanden habe. Gegenargument war, dass das alles zu technisch und zu schwierig für mich sei. Mein "offensichtlich nicht, sonst hätte ich nicht so gute Noten" kam gar nicht gut an, sondern erhöhte nur den Zweifel.
Einer der Gründe, warum ich damals aus der Firmenwelt in die Wissenschaft zurück gekehrt bin, war ja gerade, dass in der Wissenschaft viel leichter die eigenen Leistungen und Kompetenzen nachweisbar sind. In einer Firma klappt das gar nicht. Da werden grundsätzlich die guten Ergebnisse den Männern angerechnet. Praktisch alle meine guten Ideen und guten Arbeitsergebnisse wurden im Nachhinein anderen zugeschrieben. Manche haben sogar eine Bonuszahlung für meine Leistung erhalten. Aber sich zu wehren bringt ja nichts, sondern macht es noch schlimmer. Damit zwinge ich den Kollegen noch, Lügen über mich zu verbreiten. In der Wissenschaft dagegen, da sammeln sich meine Ergebnisse auf meiner Publikationsliste und die meine Vorlesung wird mir in Form von SWS gut geschrieben. Da kann nicht hinterher ein Kollege daher kommen und behaupten, die positive Vorlesungsbewertung sei seine, und die SWS gehören auf sein Konto. Schließlich stehe ich im Vorlesungsverzeichnis und meine Studierenden sind meine Zeugen.
So gesehen sind solche Verzeichnisse vor allem für uns Frauen von Vorteil. Unsere Leistungen sind nun genauso sichtbar, dokumentiert und glaubwürdig wie die der Männer. Objektive Leistungskriterien verhindern keine Diskriminierung, aber sie erschweren sie.