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Blog für Herrmann & Ehrlich. In diesem Blog geht es um die Arbeitsprozesse im Software Engineering, insbesondere um Requirements Engineering, Kreativität, Projekt- und Zeitmanagement und diverse weitere relevante Themen. Autorin: Andrea Herrmann

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Texte überarbeiten

Das Thema "Texte überarbeiten" lief mir in letzter Zeit an vielen Stellen über den Weg. 

- Kennzeichnungspflicht von KI-generierten Texten: KI-generierte Texte müssen zu Recht als solche markiert werden. Erstens gibt es dann ja keinen menschlichen Experten, der die Verantwortung für die inhaltliche Richtigkeit übernimmt. Zweitens ist der Text dann auch urheberrechtlich anders zu behandeln. Diese Kennzeichnungspflicht gilt nicht, wenn ein Mensch den KI-generierten Text überarbeitet hat. Interessanterweise steht nicht dabei, wie umfangreich diese Überarbeitung sein muss. Für mich als Laie klang es so als gälte dies auch, wenn der Journalist sagt: "Alles vollkommen richtig. Ich hätte das selbst nicht schöner ausdrücken können." Und übernimmt den Text dann eins zu eins. Das heißt, die Leistung des Journalisten besteht darin, Verantwortung für die Korrektheit zu übernehmen, aber nicht unbedingt ein eigener aktiver künstlerischer Beitrag. (Aber das ist nur meine unmaßgebliche Interpretation. Ohne Gewähr!)

- eigenes Handwerk: Ich fand schon immer, dass das Überarbeiten die eigentliche Leistung beim Schreiben sei. Die erste Fassung eines Textes ist je nach Tagesform und Vorarbeit willkürlich. Es kann eine geniale Meisterleistung sein, muss aber nicht. Manchmal ist sie so schlecht, dass man sie nur wegwerfen und einen neuen Anlauf starten kann. Manchmal ist die Argumentation so schwach, dass man alles umstellen muss. Aber das Überarbeiten ist das erlernbare Handwerk, das aus einer guten Idee auch einen guten Text macht. Gerade bei unerfahrenen oder nicht ausgebildeten Autoren findet man viele Texte und auch komplette Romane, deren Idee sehr gut ist, aber handwerklich denkbar schlecht umgesetzt. Ein durchgängiges Problem sogar bei Wolfgang Hohlbein. Nun fesselt ein Buch nicht wegen seiner genialen Grundidee. Die stand idealerweise schon im Klappentext oder ließe sich mit drei Sätzen zusammenfassen. "Ce sont les details qui font le roman", sagte schon Meister Zola (zitiert aus dem Gedächtnis). Zumal es sowieso schwer ist, inhaltlich etwas Neues zu schreiben. Stilistisch schon. Umgekehrt kann man ein gut geschriebenes Buch immer wieder mit Vergnügen lesen, auch oder sogar gerade weil man weiß, wie es ausgeht. Ich schaudere gerade zum dritten Mal über "Jane Eyre". Interessanterweise gibt es auch umgekehrte Ansichten. Neulich hieß es im Film "The Whale", je öfter man einen Text überarbeite, umso weniger spiegle er den Autor wider, umso unpersönlicher. Sehe ich nicht so. Je öfter ich überarbeite, umso besser sagt der Text genau das, was ich sagen wollte. Die erste spontane Notiz lenkt den Leser oft ins Gebüsch ab. Auch der Volksmund glaubt, ein begabter Autor setze sich an eine Schreibmaschine und tippe den Roman in wenigen Wochen runter, ohne auch nur ein einziges Mal Tippex zu benötigen. Für meine Schreiberei war die Erfindung des PCs ein Segen, denn die von Hand gekritzelten Texte strotzten nur so von Überarbeitungen, dass ich selbst bald nicht mehr durchblickte, wo der Satz weitergeht. Nun offenbare ich mit diesem Geständnis womöglich mein mangelndes Talent? Ich sag mal: eher meinen Lernprozess und meine Sorgfalt.

- Erfahrungen als Lektorin und Herausgeberin: Nun bin ich nicht nur Autorin, sondern arbeite manchmal auch auf der anderen Seite vom Schreibtisch als Lektorin und Herausgeberin. Das heißt, mir werden Texte eingereicht, deren Qualität ich bewerten und / oder verbessern soll. Die Hightlights dieser Arbeit sind die ungeschliffenen Diamanten, also Texte mit genialer Grundidee, aber schlechter Umsetzung. Ich formuliere also ein kurzes Gutachten und bitte um entsprechende Überarbeitung. Da gibt es drei Reaktionen. (a) Den Profi erkennt man an sachlicher Reaktion, also entweder kompetente Umsetzung meiner Verbesserungsvorschläge oder einer gültigen Begründung für gewisse Eigenheiten des Textes. Auf dieser Ebene arbeiten wir konstruktiv gemeinsam am Text und machen das Beste daraus. (b) Worst Case ist eine empörte Ablehnung sämtlicher Änderungen, womöglich noch mit persönlicher Beleidigungen. Früher ärgerte ich mich über die Arroganz eines offensichtlich inkompetenten Möchtegernautors. Inzwischen denke ich, es ist wohl eher Hilflosigkeit angesichts der großen Kluft zwischen der erwarteten vorbehaltslosen Begeisterung und einer Kritik, die der ungeschulte Autor weder versteht noch umsetzen kann. Oft hat er bereits viel Lob von Freunden und Familie erhalten. Früher fragte ich mich, wer so blind sein könne, einen solchen Text zu loben. Es liegt aber nicht nur an der Inkompetenz der Großmutter des Autors, sondern auch daran, dass sie weiß, dass er mit Kritik ohnehin nicht umgehen kann. Manchmal werden von mir abgelehnte Texte sogar woanders abgedruckt. Es war aber kein Harry Potter dabei, also gabs von mir nichts zu bereuen. *grins* (c) Für mich auch in Ordnung ist es, wenn ein unerfahrener Autor schreibt, er sähe sich nicht in der Lage, meine Kritik umzusetzen, gebe mir aber freie Hand. Dann mache ich den Friseur, schnipple hier und föhne da, bis der Text sich so liest, wie ihn sich der Autor meiner Meinung nach vorgestellt hätte und er die erwünschte Wirkung erzielt. Ja, ich weiß, auch Friseure können irren, aber ich versuche, dabei meine eigenen künstlerischen Vorstellungen zu bezähmen und als Ghostwriter zu schreiben, als Dienstleister. Ich freue mich dann immer, wenn der Text strahlt und funkelt.

- eigene KI-Nutzung: Eigentlich habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich ganz faul auf einen Text keine Lust habe oder aus Zeitmangel KI einsetze. Ist das dann überhaupt mein Text? Habe ich das Recht, mich dessen Autorin zu nennen? Nun habe ich allerdings bisher noch nie irgendetwas, nicht die kürzeste Ankündigung, komplett übernommen wie geliefert. Oft habe ich am Prompt nochmal herumoptimiert. Auf jeden Fall im Text Halluzinationen entfernt, hier gekürzt und dort ergänzt, Formulierungen geglättet, aber auch ganze Absätze verworfen und neu geschrieben. Und dadurch, dass ich die erste generierte Fassung so gründlich mehrmals überarbeite, wird der Text zu meinem Werk. 

- Vorgesetzte: Als Vorgesetzte machte ich oft die Erfahrung, dass viele Mitarbeiter ihre Arbeitsergebnisse nicht überarbeiten können oder wollen, siehe oben bei meiner Erfahrung als Herausgeberin. Manchmal ist es auch reine Faulheit oder Aufmüpfigkeit nach dem Motto "Wer wagt es, meine Ergebnisse zu kritisieren? Magst Du mich nicht? Willst Du mich demütigen?" Gerade Menschen, die nicht ergebnisorientiert sondern machtorientiert ticken würden niemals zugeben wollen, dass ihr erster schlampiger Entwurf nicht ausreicht, damit die Kollegen damit weiterarbeiten können oder man den Text so an den Kunden ausliefern kann. Jede Kritik wird persönlich genommen. Oft fragte ich mich, ob die Leute schlicht das Überarbeiten nie gelernt haben. Manche Vorgesetzten beherrschen auch nicht die Kunst des Lektorierens. Nicht jeder listet konkrete Punkte auf, die zu verbessern wären, sondern man bekommt als Mitarbeiter dann Pauschalkritik im Stil von "Der Text gefällt mir nicht, aber ich weiß nicht wieso." Das ließ mich oft recht ratlos zurück, weil ich keine Ahnung hatte, was ich ändern muss, damit der Chef mein Arbeitsergebnis akzeptiert. Sein "Das musst Du selber wissen" finde ich immer noch recht inkompetent. 

- Dozentin: Ich lehre zwar nicht das literarische Schreiben, wohl aber das wissenschaftliche und das technische. Und da ist es mir ein Anliegen, nicht nur die Texte meiner Studierenden nach Einreichung zu benoten. Damit erzieht man nämlich genau diese Art von Mitarbeitern heran, die noch nie irgendetwas überarbeitet haben, sondern glauben, das sei OK so, schlecht gemachte Entwürfe einzureichen, verbrämt mit der Begründung, man habe zu wenig Zeit gehabt. Dann sackt man die schlechte Note ein, hat die Aufgabe aber schön vom Tisch. So funktioniert das Studium oft, aber nicht das Berufsleben. Darum baue ich gerne in den Lernprozess Feedbackschleifen ein mit der Gelegenheit, das Ergebnis noch zu verbessern. Erschreckend oft wird diese Chance allerdings nicht genutzt! Dabei tritt beim Überarbeiten doch erst der wichtigste Lerneffekt ein, nämlich zu erleben, wie wenige Änderungen das Arbeitsergebnis schlüssiger, harmonischer, besser machen. Diese Erfahrung und ein Gefühl für Textqualität entstehen erst durch das handwerkliche Machen, durch Überarbeitung und Verbesserung. "Von der Hand ins Hirn" wie ich immer sage. Selbst wenn ich eine Überarbeitung an der Tafel vorturne, bringt das weniger. So wie man das Programmieren mit Hilfe des Compilers lernt, der gnadenlos wegen des kleinsten Syntaxfehlers die Ausführung des gesamten Programms verweigert, so müsste der Dozent auch mit Strenge erziehen. Ich weiß, ich sehe da vor meinem inneren Auge auch einen in Schwarz gekleideten Lehrer mit dem Stock in der Hand der brüllt: "Hier hat die Tinte gekleckst. Darum schreibst Du die ganze Seite nochmal!" Ich bin aber sicher, dass eine solche Ausbildung tatsächlich wunderschöne Handschriften hervor brachte. Aber natürlich keine kreativen Denker. Trotzdem war der strenge Ansatz gar nicht so falsch. Auch ich würde gerne meine Studierenden so lange trietzen, bis auch der Schlechteste ein Mal ein perfektes Ergebnis hervorgebracht hat. Leider aber nicht zeitgemäß. Und auch oft nicht möglich. Da müsste ich schon jedes Komma einzeln reindiktieren, was sich immer anfühlt wie einen Hund zum Jagen zu tragen. Bringt ja nicht so viel. 

OK, als nächstes trietze ich mich selbst. Das sonntägliche Joggen steht an. Das wird kein Vergnügen, aber wer sich zu sehr schont, altert schneller...

Fußnote: Dieser Artikel wurde völlig KI-frei erstellt.

PS: A propos Überarbeiten: Mich juckt es in den Fingern, Jane Eyre in modernes Deutsch zu übersetzen. Ich glaube, vieles davon versteht der heutige Leser gar nicht mehr, die ganzen lebensklugen Gedanken.

PSS: Was ist schon perfekt? Ich denke, perfekt ist ein Text oder Arbeitsergebnis dann, wenn er so gut ist, dass die verbliebenen Fehler unwichtig werden. :-) 

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