Blog für Herrmann & Ehrlich. In diesem Blog geht es um die Arbeitsprozesse im Software Engineering, insbesondere um Requirements Engineering, Kreativität, Projekt- und Zeitmanagement und diverse weitere relevante Themen. Autorin: Andrea Herrmann
Als ich gestern nach der Vorlesung die Universität Heidelberg verließ, sprühte bei strahlendem Sonnenschein ein spontaner Regenguss einen bilderbuchhaften Regenbogen über die grauen Häuser. Er wirkte massiv wie eine Freibadrutsche. Und das eine Ende lag offensichtlich nur eine Querstraße weiter, also fast zum Greifen nahe. So schön!
Bizarr an dieser Szene war jedoch, dass ich offensichtlich als die einzige Passantin ihn überhaupt bemerkte. Hätten die anderen ihn gesehen, hätten sie ihn sofort fotografiert. Das machte aber niemand, weil alle entweder ihren Blick auf dem Smartphone-Bildschirm hatten (auf einem Regenbogen-Foto?) oder stur geradeaus blickten wie Avatare, die sich in einer virtuellen Welt möglichst schnell von A nach B bewegen, zur nächsten Challenge. Lebt ihr noch??
Das erinnerte mich auch daran, wie ich nach dem zweijährigen Lockdown auf meiner erster Dienstreise genau an derselben Stelle bemerkte, dass ich mich fühlte wie ein Gefängnisinsasse, der nach zwei Jahren Haft entlassen wurde und sich ein wenig desorientiert fühlt. "Früher war ich oft hier, aber irgendwie sieht es jetzt anders aus. Wie funktionierte nochmal der Fahrkartenautomat und welche Straßenbahnlinie fährt zum Bahnhof?" Die Weite um mich herum, der blaue Himmel und die Freiheit, über hingehen zu können, irritierten mich ein wenig wle ein straffer Verband, der nach längerer Zeit entfernt wird. Eine Mischung aus Erleichterung, Vorfreude und Furcht, dass der Fuß noch nicht wieder belastbar genug sein könnte. Aber genau das ist doch Leben: mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und sich jederzeit über die eigenen Gefühle bewusst zu sein.