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Blog für Herrmann & Ehrlich. In diesem Blog geht es um die Arbeitsprozesse im Software Engineering, insbesondere um Requirements Engineering, Kreativität, Projekt- und Zeitmanagement und diverse weitere relevante Themen. Autorin: Andrea Herrmann

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Die Absage

Mal wieder eine Absage. Die Universitäts-Professur ging an einen jungen Mann, der 2015 promoviert hat. Seine Publikationsliste sieht für mich recht spärlich aus. Null bis vier Veröffentlichungen pro Jahr. Über Lehrerfahrung finde ich gar nichts.

Was hat der, was ich nicht habe? Warum hat er das Rennen gemacht, während ich nicht mal zum Bewerbungsgespräch eingeladen wurde? Geht's um die Eier? Oder den Dreitagebart? Oder Beziehungen? Ging das wirklich nach Komptenz? Sehr frustrierend.

Manchmal erkläre ich mir das damit, dass ich als Freiberuflerin und auch jetzt als (Lehr-)Professorin relativ wenig publiziert habe, im Vergleich zu meiner superproduktiven Zeit als Postdoc. Aber andere publizieren hauptberuflich weniger als ich nebenbei und kriegen dann doch eine Universitäts-Professur. Die eine oder andere Berufungskommission ist vor zehn Jahren darauf herum geritten, dass ich bisher keine Programmierkurse gegeben hatte. OK, habe ich nachgeholt. Aber dann wars leider angeblich die falsche Sprache. Einem Mann trauen sie jederzeit zu, dass er jede Programmiersprache lehrt, einer Frau trauen sie das nicht mal zu, wenn sie es schon gemacht hat. Könnte ja sein, dass ihr Kurs schlecht war. Oder sogar dass sie lügt. (Unverschämtheit! Von meinen ganzen Leistungen verschweige ich ja oft die Hälfte, weil ich weiß, dass so viel Leistung für normale Faulpelze unrealistisch klingt.)

Wenn ich gerade praktisch arbeite, wird mir meine niedrige Publikationsleistung vorgeworfen, arbeite ich gerade in Lehre und Forschung, wirft man mir vor, meine Praxiserfahrung sei schon zu lang her. Pendle ich zwischen Praxis und Forschung, um meinen angeblichen Mangel zu beheben,
wirft man mir auch das vor.

So eine Hochschule kann keine Bessere bekommen als mich. Ich qualifiziere mich seit fast 30 Jahren ständig weiter für meinen Traumjob. Kann doch gar nicht sein, dass es immer noch zu wenig ist, während ständig am Ende eines angeblich objektiven, kompetitiven Bewerbungsprozesses ein junger Mann mit wenig Erfahrung eingestellt wird. Ja, OK, acht Jahre seit Promotion ist schon was. Aber was er in acht Jahren geleistet hat, schaffe ich in vier. :-(

Aber vielleicht geht es bei Professorenstellen genauso wie bei Managerpositionen in der Industrie darum, junge, formbare Leute einzustellen und selbst zu schleifen, statt Persönlichkeiten, die womöglich Staub aufwirbeln, hohe Maßstäbe ansetzen und irgendetwas zu verbessern versuchen. Verbesserung bedeutet Kritik am Alten.

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