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Formulare, Formulare

Bei meinen Recherchen für eines meiner Bücher musste ich heute Morgen schon herzhaft lachen:

https://twitter.com/therealbuzz/status/627895978796916736

https://twitter.com/therealbuzz/status/626812956148248577

Es muss einfach alles seine Ordnung haben. Selbst die Reise zum Mond benötigt eine Reisekostenabrechnung, und für die Rückkehr mit Mondgestein ist eine Zollerklärung auszufüllen. Wobei ich wette, dass heutzutage diese Formulare nicht mehr auf eine einzige Seite passen. Beispielsweise muss man heutzutage genau Datum und Uhrzeit des Grenzübertritts angeben, damit die Tagegelder korrekt berechnet werden können. In diesem Fall vielleicht weniger relevant, weil laut Reisekostenabrechnung ja Vollverpflegung gestellt wurde.

 

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So wird das nie klappen mit der Gleichberechtigung

Erst neulich hatten wir einen "Frauenabend". Ich konnte es nicht mit anhören. Das ewige Gejammer darüber, dass es so wenige Frauen in der Informatik gibt oder als Sprecherinnen auf Konferenzen. Ich finde das auch bejammernswert, aber kein einziges Mal wurde wirklich angeprangert, dass wir täglich diskriminiert und entmutigt werden. Nein, die Männer machen niemals etwas falsch. Wir Frauen sind diejenigen, die es vermasseln. Die Mädchen trauen sich vollständig grundlos nicht zu, Informatik zu studieren. Frauen bilden sich nicht genügend fort und wagen sich darum zu Recht auf keine Konferenzbühne. Blabla. Warum wälzen wir Frauen uns sogar dann in solchem Schmutz, wenn wir unter uns sind?

Weil auch die Frauen so dermaßen Teil der Machogesellschaft sind, dass sie ohne nachzudenken die Spiele mitspielen, die den Machterhalt der Männer sichern. Männer machen nie etwas falsch? Wir Frauen sind diejenigen, die eben nicht gut genug sind? Bei nächstbester Gelegenheit betrachten wir also den Vortrag einer Kollegin noch kritischer als den eines Mannes, um uns in unserer Überzeugung zu stärken? Wir brauchen gar keine Männer, um uns klein zu halten, das schaffen wir ganz alleine.

Ich denke, jedes Mädchen, das sich gegen die Informatik entscheidet, hat instinktiv richtig gefühlt, dass sein Leben dann ein täglicher Kampf wäre. Auch ich war mir bewusst, worauf ich mich einlasse, hat mich doch mein Umfeld schon von Anfang mit Bedenken und Hohn überschüttet, weil ich es wagte, etwas Technisches zu studieren. Ich habe mir zugetraut, so gut wie die Männer zu sein und die täglichen Anfeindungen wegzustecken.

Inzwischen habe ich erkannt, dass ich niemals ein echter, erwachsener Profi sein werde. Ich kann mich fortbilden so viel ich will, unendlich viel Berufserfahrung sammeln, es wird nie ausreichen. Es gibt da ein paar ungeschriebene Gesetze wie diese:

1.) Bei Männern zählt die gesamte Berufserfahrung, von Anfang bis Ende. - Bei Frauen zählt nur die aktuelle Tätigkeit. Sobald ich den Job wechsle, beginnt der Zähler für die Jahre an Berufsfahrung wieder neu bei null. Aktuell habe ich nach meiner Zählung 26 Jahre Berufserfahrung, aber nach Machozählweise nur anderthalb.

2.) Männer machen richtige Arbeit, die richtig zählt. - Frauen gibt man lieber keine wichtigen Aufgaben, denn sie könnten ja einen Fehler machen. Was auch immer eine Frau tut, ist per Definition keine richtige Arbeit. Ich habe es schon mehrfach erlebt, dass eine Position oder Aufgabe dadurch abgewertet wurde, dass eine Frau sie übernommen hat. Danach wollte kein Mann diese Frauenaufgabe mehr haben. Sogar eine Frau kann das? Dann lässt sich damit kein Blumentopf mehr gewinnen. (Ich lasse mich überraschen, ob dieser Effekt auch auftritt, wenn die Gesellschaft für Informatik ihre nächste Präsidentin wählt.)

3.) Was Männer arbeiten, das haben sie vollständig verstanden, können dies selbständig ausführen und sind Experten. Sie werden also durch ihre ganz normale alltägliche Arbeit kompetente Spezialisten. - Frauen brauchen ständige Anleitung, weil sie gar nicht begreifen, was sie da tun. Dadurch bauen wir bei der täglichen Arbeit kein echtes Wissen auf. Wir ahmen die Experten nur nach, sind aber selbst keine. Darum müssten wir, um unsere Kompetenz zu beweisen oder aufzubauen, zusätzliche Qualifikationen erwerben. Die dann allerdings auch nicht zählen, weil sie per Definition nichts Richtiges sind.

Schade, dass sogar Frauen so denken - zumindest über andere Frauen.

Trotzdem sollten wir Frauen unseren Weg gehen, unserer Begabung und Leidenschaft für die Naturwissenschaften und die Technik folgen. Wir müssen härter arbeiten, um weniger zu erreichen als ein Mann. Wir dürfen keine echte Anerkennung erwarten, sondern müssen Freude an dem finden, was wir heute tun. Das verlangt viel Kraft. Ich verstehe all diejenigen, die diese Kraft nicht aufbringen wollen oder können.

Wir befinden uns immer noch in der Phase, wo wir zu wenige sind. Sobald wir die kritische Grenze von 30% Frauenanteil überschreiten, dann werden wir keine Minderheit mehr sein. Bisher gelingt dies nur in ganz kleinen Bereichen, z. B. an einer einzelnen Hochschul-Fakultät oder in einem Startup.

Die 30% werden wir aber nicht erreichen, solange wir nach den Regeln der Männer handeln. Das Machosystem funktioniert so gut, dass sogar viele Frauen ein Interesse daran haben, dass es erhalten bleibt. Vielleicht macht es manchen Freude, eine Exotin zu sein, besser als die bemitleidenswerten Geschlechtsgenossinnen? Versuchen sie, sich bei den Männern einzuschleimen, indem sie schlecht über die Frauen im Allgemeinen reden? 

Wenn ich beispielsweise eine Studentin habe, die einen Misserfolg erlebt hat, dann nimmt sie die volle Verantwortung dafür auf sich und martert sich mit Selbstvorwürfen, wie sich das für eine gute Frau gehört. Die meisten sind überrascht von der alternativen Lesart, dass vielleicht jemand anderer auch einen Fehler gemacht hat. Dass sie eventuell nicht fair behandelt wurde, weil sie eine Frau ist. Aber ich habe inzwischen genug gesehen, um zu wissen, dass dieselbe Geschichte bei einem Mann anders ausgeht. Das zu wissen, nutzt mir jedoch nicht viel. Im Konfliktfall kann ich nicht so offensiv vorgehen wie ein richtiger Mensch, weil die gesamte Gesellschaft immer hinter den Männern steht. Selbst wenn ich nicht an meine Schuld glaube - alle anderen tun es.

Nun fragen Sie sich vielleicht, wie ich darauf komme, jemals diskriminiert worden zu sein. Weil ich das gerne ausdiskutiere, wenn ich merke, dass etwas nicht stimmt. Und dann kommen wir vom einem zum anderen, und am Ende gehen dem Gegenüber die Argumente dafür aus, warum ich weniger wert bin als ein Mann, bis er dann kategorisch eine der obigen drei Regeln nennt. Damit ist er fein raus, die sind unumstößlich und genügen als Begründung für alles mögliche. Aufschlussreich ist, dass sich bisher bei so einer Diskussion fast nie jemand auf meine Seite gestellt hat, obwohl das Gegenüber offensichtlich im Unrecht war. Mir fällt nur ein Fall ein, wo eine Frau so mutig war. Übrigens eine Asiatin. Ich bin ihr immer noch dankbar für ihren Mut, den nur wenige Frauen aufbringen.

Genug gejammert. Ich gehe noch ein paar Hausarbeiten korrigieren, damit ich morgen wieder die kreativen Projekte bearbeiten kann.

Andrea Herrmann

 

 

 

 

 

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Themenheft "Software Engineering für KI-Systeme" der Softwaretechnik-Trends

Die neuste Ausgabe der Softwaretechnik-Trends befindet sich nun im Druck.
Inhalt sind die Berichte der Fachgruppentreffen TAV und Requirements
Engineering. Im November hatten wir als Fachgruppe Requirements Engineering
das Thema des Treffens "Requirements Engineering und Künstliche Intelligenz"
gewählt. Das hat mich dazu inspiriert, im Herbst ein Themenheft
"Softwaretechnik für KI-Systeme" zu erstellen. Das heißt rund um das Thema,
wie man mit Mitteln der Softwaretechnik KI-Systeme entwickeln und testen sollte.
Zusätzlich zu den üblichen Inhalten suche ich bis zum 15.8. bis zu 6-seitige
Fachartikel zu diesem Thema.

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US-Geheimdienste und Daten in der EU

Ein aktuelles Gutachten diskutiert, wie US-Geheimdienste Daten aus der EU abgreifen könnten. Tja, da muss man gut aufpassen, wem man seine Daten anvertraut. Ich verstehe immer noch nicht, warum man wertvolle Daten anderen anvertraut. Ist das eine Variante von Infantilisierung?

 

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Umfrage zu Home Office und Zusammenarbeit in der IT

Eine Studentin von mir führt gerade eine Umfrage durch:

Liebe IT-Kollegen,
ich möchte Sie bitten, mich bei meiner Masterarbeit in Wirtschaftsinformatik und IT-Management zum Thema „Einsatz von Scrum in Kombination mit flexiblen Arbeitszeitmodellen und Homeoffice“ durch die Beantwortung der folgenden Fragen zu unterstützen. Ich möchte dabei Probleme aufzeigen und Lösungsmöglichkeiten erarbeiten.
Die Umfrage richtet sich an alle IT-Mitarbeiter, die in einem Projektteam arbeiten. Sie müssen nicht unbedingt mit Scrum arbeiten. Die Umfrage ist vollständig anonym und die Beantwortung der Fragen ist freiwillig.
Die Umfrage wird ca. 5 bis 10 Minuten dauern.
Vielen herzlichen Dank für Ihre Unterstützung,
A. Hoffmann

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Requirements Engineering Conference 2022: Call for Workshop Proposals

Noch bis zum 27. Januar können Workshop-Vorschläge zur Requirements Engineering Conference eingereicht werden. Ich bin dort im Programmkomitee, entscheide dann also über die Annahme der Vorschläge mit. Den Aufruf zur Einreichung finden Sie hier.

 

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Webseite und Blog des Präsidiumsarbeitskreises Datenschutz der Gesellschaft für Informatik

Besuchen Sie doch mal Webseite und Blog des Präsidiumsarbeitskreises Datenschutz der Gesellschaft für Informatik:
https://pak-datenschutz.gi.de/

Die aktuell letzten beiden Beiträge stammen von mir.

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Praxispartner gesucht für Forschung über Anforderungsfehler und deren Auswirkungen auf Software-Fehler

Im Rahmen einer internationalen Forschungskooperation wurde ein Verfahren entwickelt, wie man anhand der Typen von Software-Fehlern auf die Qualität der Anforderungsspezifikation rückschließen kann. Um dieses Verfahren zu prüfen suchen wir ein Unternehmen, das uns Daten zur Auswertung zur Verfügung stellt.

Was wir von Ihnen brauchen:
- Zugang zu Ihrem Issue-Tracking-System oder Fehlerlisten eines Software-Systems
- Anforderungsspezifikation

 

Was Sie dafür erhalten
- Analyse der Fehler
- Hinweise für die Verbesserung des Requirements Engineering, so dass zukünftig teure Spezifikationsfehler besser vermieden werden

 

Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung:

Prof. Andrea Herrmann, AKAD-Hochschule, Stuttgart

Die Forschung findet statt in Kooperation mit:
University of Waterloo, Waterloo, ON Canada
Universidade Federal do Rio Grande do Norte, Natal, RN Brazil
Haifa University, Haifa, Israel

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Kano-Modell: Die Originalpublikation

Das Kano-Modell wird gerne zitiert. Allerdings ähnelt das aktuell verbreitete Kano-Modell nur teilweise dem, was Kano selbst publiziert hat:

Noriaki Kano: Life Cycle and Creation of Attractive Quality. Fourth International QMD Conference on Quality Management and Organisational Development, University of Linköping, Linköping 2001.          

In diesem Artikel zeigt er, dass die Klassifikation einer Produkteigenschaft sich mit der Zeit ändert und einen Lebenszyklus durchläuft:

Indifferent quality => Attractive Quality => One-Dimensional Quality => Must-Be Quality

Er stellt hier die "Method of Attractive Quality Creation (AQC)" vor, mit der man ein reifes Produkt neu beleben kann: 

1. extraction of latent requirements

2. product planning

3. survey or case study

Besonders bemerkenswert finde ich die Matrix in Tabelle 3. Die mündliche Überlieferung im Requirements Engineering besagt, dass es drei Kano-Kategorien von Funktionen oder Anforderungen gibt. Tatsächlich finden wir hier jedoch sechs!

Das ursprüngliche Kano-Modell kann ich mangels Japanisch-Kenntnisse leider nicht lesen:

Kano, Noriaki; Nobuhiku Seraku; Fumio Takahashi; Shinichi Tsuji:  "Attractive quality and must-be quality". Journal of the Japanese Society for Quality Control, April 1984, 14 (2): 39–48. (in Japanese)

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meccanica feminale 2022

Jetzt anmelden zur meccanica feminale 2022 vom 22. bis 26.02.2022. Aufgrund der aktuellen Coronasituation wird die Veranstaltung erneut digital stattfinden.

Für die 13. Frühjahrshochschule meccanica feminale (#mfbw22) für Studentinnen und Fachfrauen aller Ingenieurwissenschaften, insbesondere der Fachgebiete Maschinenbau, Elektrotechnik, Medizintechnik und Wirtschaftsingenieurwesen sind Studentinnen und interessierte Frauen herzlich dazu aufgerufen, sich für unsere Seminare und Workshops zu Fachthemen und Social Skills anzumelden. Schwerpunktthema ist dieses Mal „Mobilität von morgen“.
Neben einer Teilnahmebescheinigung nach erfolgreicher Teilnahme, können ECTS erarbeitet werden. 
Weitere Informationen, die Kursübersicht und Anmeldung (Anmeldeschluss: 11.01.2022) finden Sie hier: https://scientifica.de/bildungsangebote/meccanica-feminale/mf-2022/mf2022-kursuebersicht/

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