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Online-Lehre kommt nicht gut an

Das Sommersemester 2020 war - kurzfristig angesetzt - ein vollständiges Online-Semester an allen deutschen Hochschulen. Eine Umfrage zeigt nun, dass die Studierenden mit dieser Umstellung unglücklich waren, weil die unkomplizierte, direkte Kommunikation mit Kommilitonen und Lehrkräften wegfiel. Der Vorteil der Flexibilität bei der Zeitplanung überwog wohl nicht das neu entstehende Problem, dass Studium und Privatleben nicht mehr klar räumlich und zeitlich voneinander getrennt stattfinden. Neulich habe ich auch in der Zeitschrift "Forschung und Lehre" von einer Umfrage an der Universität Augsburg gelesen, die ähnliche Ergebnisse erbrachte.

Diese Erfahrungen wundern mich nicht. Einerseits muss man berücksichtigen, dass diese Umstellung sehr plötzlich und für beide Seiten nicht freiwillig erfolgte. Ein Online-Kurs ist eben nicht ein Präsenzkurs, der online stattfindet. Eigentlich braucht man dafür ein vollständig neues Konzept, so meine Erfahrung. Dafür blieb den Lehrenden aber keine Zeit. Zunächst kämpften sie noch mit den Grundlagen wie der Auswahl und Benutzung der nötigen Technologie. Andererseits werden die Umfrageergebnisse auch bei einem gut geplanten Online-Studium ähnlich ausfallen. Auch im Bereich der verteilten Softwareentwicklung, zu der ich ja schon intensiv geforscht habe, kommt immer wieder heraus, dass Face-to-Face-Kommunikation, informelle Informationsflüsse und das Zwischenmenschliche essenziell sind und nicht weggelassen werden können.

Wenn ich die Wahl habe, finde ich hybride Kurse am besten, denn die Online-Lehre bietet auch neue Möglichkeiten. Lehrvideos, Online-Tests für die Wissensüberprüfung und optionales Zusatzmaterial gehören dazu. Gerade muss ich meine Vorlesung an der Universität Heidelberg umplanen. Die reine Wissensvermittlung lässt sich sehr gut in Lehrvideos verpacken, die jeder ansehen kann, wann es ihm passt. Auch mehrmals! Gleichzeitig muss für die zeitliche Taktung, für Diskussionen und Lernen durch Feedback auch eine synchrone Komponente dazu, also regelmäßige Online-Übungen als Webinar. Ich stehe noch am Anfang mit meiner Planung, könnte mir aber vorstellen, zwei (freiwillige?) Real-Life-Treffen im Semester vorzusehen.

Andrea Herrmann

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Seacon-Vortrag über Kreativität im Requirements Engineering

Gerade eben fand mein Pecha Kucha Vortrag "Tipps und Tricks für die Kreativität im Requirements Engineering" auf der SEACON-Konferenz statt. Dieses Mal virtuell, das heißt ohne Reise nach Hamburg.

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Corona, unser langfristiger Begleiter?

Die Fallzahlen sind nun hartnäckig wieder auf 2000 pro Tag gestiegen, siehe Statista. Obwohl wir alle Masken tragen, die Hände waschen, unsere Namen in alle möglichen Formulare eintragen. Werden 2000 pro Tag die neue Normalität? Oder der Grund für einen zweiten Lockdown?

Besonders krisenanfällig sind ja leider Schulungen, da sie für den Betrieb einer Softwareschmiede nicht unmittelbar, sondern mittelfristig unerlässlich sind. Firmen schicken Mitarbeiter dann auf Kurse, wenn alles rund läuft: Es sind Zeit und Geld vorhanden, das vermittelte Wissen wird in der gewissen Zukunft noch gebraucht, und man hat überhaupt den Kopf frei, um Fortbildungen zu planen, statt Krisen zu managen. Daran scheint es momentan zu hapern. Im September hatte ich fünf offene Seminare ausgeschrieben, und alle fielen aus. Normal wäre gewesen, dass zwei oder drei entfallen. Online-Schulungen lösen das Problem nicht, weil diese zwar die Ansteckungsgefahr auf null reduzieren, aber Angst vor Ansteckung ist nicht der Hauptgrund für die Schulungskrise.

Langweilig war mir nicht deswegen. Jetzt im September haben wir in Dortmund Prüfungsphase, ich betreue zahlreiche Abschlussarbeiten, von denen die Hälfte jetzt gerade fertig wird, ich erstelle zahllose (hunderte!) von Multiple-Choice-Fragen und schreibe ein neues Buch. Würde ich momentan hauptsächlich von Firmenschulungen leben, steckte ich allerdings in der Krise! (Genau darum habe ich schon lange die Diversifizierung meines Angebots als Risikomanagement-Maßnahme entdeckt.)

Dabei können wir sicher sein, dass wir unser Software-Engineering-Wissen in der Zukunft noch brauchen werden. Die Digitalisierung wird nicht in die Krise geraten, sondern schreitet im Gegenteil durch Corona umso schneller voran und kann durch Einsparungen bei Reisekosten und -zeiten, Portokosten sowie beim Personal finanziert werden.

Also, ich lerne gerade eifrig im Home Office auf meine nächste Zertifizierungsprüfung!

Andrea Herrmann

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Artikel: Requirements Engineering in Job Offers

Gerade erschien unser Artikel "Requirements Engineering in Job Offers" im Requirements Engineering Magazine. Es handelt sich dabei um eine internationale Kooperation zum Vergleich ähnlicher Studien darüber, was in Stellenanzeigen von Requirements Engineers gefordert wird.

Andrea Herrmann

 

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Verbindung zwischen Gehirn und Maschine

Jetzt wird es ernst: "Elon Musk präsentiert Neuro-Chip für den Computer". Diese Idee hatte ich schon in den 90ern in einer auf meinen 3,5-Zoll-Disketten archivierten Kurzgeschichte. Wäre das Gehirn direkt mit dem Computer verbunden, wäre es irgendwann möglich, dass der Computer exakt das tut, was ich will. Und man könnte um ein Mehrfaches schneller arbeiten, weil die Ein- und Ausgabe viel Zeit kostet. Meine Vorstellung war, dass das für den Arbeitsablauf prima wäre, man sich bei der Arbeit aber scheuen würde, private Gedanken zu hegen, weil die auch mitgelesen und protokolliert würden. Außerdem müsste man seine Gefühle sehr in Zaum halten, denn der Computer könnte ja auch unerwünschte Rachegedanken wie "Dem würde ich gerne mal eine E-Mail schreiben und mitteilen, was ich wirklich über ihn denke!" oder "Dieses Scheißprogramm sollte man komplett und unwiderruflich löschen" ebenfalls blitzschnell umsetzen.

Vor allem stellte ich mir vor, was für ein Kontrast es wäre, abends nach der Arbeit nach Hause zu kommn und dann wieder in einer physischen Welt zu leben, wo man zum Starten des Wasserkochers extra in die Küche gehen und einen Knopf betätigen muss. Wo man mit einem anderen Menschen mühsam und missverständlich kommunizieren muss, während man bei der Arbeit vom Computer immer sofort richtig verstanden wird. Das normale Leben käme einem langsam und ineffizient vor. Wer jeden Tag acht Stunden lang mit Hilfe so einer Schnittstelle arbeitet, würde privat ungeduldig und unausstehlich.

In dem oben genannten Artikel wird uns weis gemacht, diese Anwendung sei gedacht für Behinderte. Ja, medizinische Anwendungen, die sind ethisch korrekt und da kann niemand etwas dagegen haben. Aber am Ende geht es eben doch um militärische Anwendungen, um die effizientere Arbeit von Menschen in Firmen, die dadurch auch besser kontrollierbar werden bzw. sich selbst zensieren, weil die Firma ja jeden Gedanken mitliest. Die Gedanken wären dann nicht mehr frei. Und wehe, man vergisst am Feierabend, die Bluetooth-Verbindung zu deaktieren! Dann liest die Firma noch die Abendgestaltung mit. Auch wenn ich immer sage, dass Künstliche Intelligenz und menschliche Intelligenz in Kombination die besten Ergebnisse bringt, meine ich damit keine technische Integration!

Andrea Herrmann

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Interview zum Informatikspektrum

Im Themenheft "50 Jahre Informatik" des Informatik-Spektrums erschien ein Interview mit mir über diese Zeitschrift.

Andrea Herrmann

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Datenschutz

Nur ein kleiner Querverweis auf den Präsidiumsarbeitskreis "Datenschutz" der Gesellschaft für Informatik. Alle paar Wochen veröffentliche ich in dessen Blog einen kurzen Artikel über ein passendes Thema. Die letzten Beiträge von mir waren: "Spezifikation von Datenschutz-Anforderungen durch LINDDUN", "Spezifikation korrekter Datenschutzanforderungen", "Economics of Privacy", "Privacy-Patterns" und "Deanonymisierung".

Andrea Herrmann

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Professorin an der AKAD

Wenn es kommt, dann kommt es plötzlich und unerwartet. Ich habe nun einen Arbeitsvertrag für eine unbefristete Professur unterschrieben. Und es ist nicht irgendeine Professur, sondern eine Stelle an der AKAD University in Stuttgart. Seit 2009 arbeite ich freiberuflich für diese Fernhochschule und habe die ganze Zeit gelauert, ob mal eine thematisch passende Professorenstelle ausgeschrieben wird. Endlich war es nun so weit: eine Professur für Software Engineering. Trotzdem habe ich nicht wirklich geglaubt, dass ich die Stelle bekomme. Es gibt ja noch mehr Software Engineering-Experten in Deutschland. Viele davon kenne ich persönlich oder habe ihre Bücher gelesen. Meine Beteiligung an Berufungskommissionen hat mich auch sehr desillusioniert, wenn ich sah, dass die Bewerbungen auf eine einzige Stelle vier Aktenordner füllten. Aber nun habe ich meinen Traumjob, und das auch noch in meiner Heimatstadt. Am 1. Oktober geht es los.

Im September ist an der FH Dortmund noch Prüfungszeit, was bedeutet, dass ich wieder Kartons mit Prüfungen in meinem Büro stapeln werden. Volle Papierkisten, bis oben hin. Auf das organisatorische Geraffel einer Prüfung mit 600 Teilnehmer/innen in Corona-Zeiten bin ich mal gespannt. Die Vorgehensanleitung werde ich mir vorher drei Mal durchlesen, weil es wirklich sehr kompliziert klang, wer wann was in welcher Reihenfolge tun soll. Kein ungeordnetes Gedrängel in den Prüfungsraum mehr, keine freie Platzwahl.

Andrea Herrmann

 

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Cleanroom Software Engineering

Mit viel Freude las ich gerade die Folien einer Vorlesung über Cleanroom Software Engineering von Kollege Prechelt von der FU Berlin. Diese Arbeitsweise hätte ich
mir in der Praxis gewünscht und lehre ich auch. Manchen Menschen liegt sie leider grundsätzlich nicht, als würde ihnen Schmerzen zugefügt durch eine saubere Arbeitsweise. Dabei ist der menschliche Geist nicht dazu fähig, ad hoc und agil komplexe Systeme fehlerfrei herzustellen, und beim Testen entwischen ja bekanntlich auch noch 15 % aller Fehler, wobei dann viele entdeckte Fehler auch nicht mehr behoben werden (können). Der einzige Weg zu richtig guter Software sind kontrollierte Vorgehensweisen.

Ich weiß, wirtschaftlich gesehen ist fehlerfreie Software nicht nötig. Kann der Kunde seine Bestellung online nicht abschicken, dann muss er halt anrufen oder faxen. Kein Problem.

Der Hinweis, dass diese Art des Software Engineering gut geschulte Mitarbeiter benötigt, gefällt mir als Wissensvermittlerin natürlich. Und so frage ich mich umgekehrt, ob die agilen Techniken nicht letztlich ein Versuch sind, auch mit ungeschultem Personal irgendwie trotzdem Software herzustellen. Dabei verlassen sich die agilen Projekte voll und ganz auf die "Helden", also erfahrene Mitarbeiter, die Komplexität im Kopf beherrschen und aus Erfahrung alles richtig machen. Da in der Agilität aber keine Techniken für die Verwaltung von Komplexität und systematische Arbeit zur Verfügung stehen, profitieren diese Helden von ihrer Erfahrung im früheren Arbeiten mit nichtagilen Vorgehensmodellen, und diese wird mit der Zeit leider verblassen.

Andrea Herrmann

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Sommer-Hochschulen an der Uni Bremen (Online)

Dieses Jahr finden die Sommer-Hochschulen an der Universität Bremen online statt:


23. internationales Sommerstudium Informatica Feminale
Juli - September 2020 online
https://www.informatica-feminale.de

12. internationale Ingenieurinnen-Sommeruni
Juli - September 2020 online
https://www.ingenieurinnen-sommeruni.de
 

Ich bin dieses Jahr nicht dabei, weil ich über den Sommer anderes zu tun habe.

Andrea Herrmann

 

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